Wahre Kometen auf dem Fahrrad

Der Vorkoster ließ sich großstädtisches Essen großstädtisch liefern.

Also in London hätte sich der Vorkoster das nicht getraut: Essen zu bestellen, das ein Fahrradbote liefern soll. Wenn du dort oben im Doppeldeckerbus sitzt, hältst du den Atem an, wenn du die Zweirad-Akrobaten durch den dichtesten Verkehr strampeln siehst, Zentimeter vom Crash entfernt. Für eine Pizza einen Menschen Leib und Leben riskieren zu lassen – nein! Da geht es in Salzburg gemütlicher zu.

Ihn hatte das Magazin interessiert. Dieses Gourmet-Zentrum an der ruhigen Seite des Mönchbergs hat sich nach Jahren der Haubenküche neu erfunden. Und zwar als Deli, Kurzform eines Delikatessen-Geschäfts, in dem du auch speisen kannst.

Easy die Linie: Leichtes Essen, bunt und vor allem international. Großstädtisch also. Da lag es doch nahe, statt vorbeizuschmecken sich die Sachen liefern zu lassen. Großstädtisch eben.

Seit Jahresbeginn gibt es in der Stadt Salzburg die FoodNinjas, Kometen auf dem Rad, seit ein paar Wochen sausen sie auch zum Magazin. Allerdings ist ein Drahtesel kein Überlandfahrzeug. Also musst du auf der Ninja-Homepage als erstes deine Adresse eingeben, im Gegenzug zeigen sie dir, von welchen Lokalen du in deiner Nähe beliefert werden kannst, Extrakosten 2,50 Euro. Zahlbar zuvor alles über Online-Dienst oder Kreditkarte. Das Magazin war dabei. Und doch gab es die erste kleine Enttäuschung.

Natürlich hatten wir uns von der Magazin-Homepage den Mund wässern lassen. Eine Mais-Curry-Zitronengrassuppe mit Garnelenspieß, die machte Appetit, ebenso der Weinberg-Pfirsich-Salat mit Prosciutto.

Und genau diese Renner fehlten in jener Auswahl, die wir über die Ninjas ordern konnten. Anruf beim Magazin. Ja, leider, keine Gefäße für den Transport von Suppen und der Salat ist noch zu frisch erfunden. Aber wenn wir vorbeikommen wollen… Wollten wir aber nicht.

Die Homepage kündigte uns eine Lieferzeit von 40 Minuten an. Doch schon nach 27 Minuten klingelte es. Ein baumlanger Student, freundlich grinsend, räumte seinen Rucksack leer. Auch wenn man die Speisen auf Porzellan-Teller umfüllt, es bleibt viel Plastik-Verpackung übrig – aber wie sonst sollten Saucen zu transportieren sein? Das ist der Preis für Bequemlichkeit.

Was kam? Kung Pao (€ 13,90), als Klassiker angepriesen: knusprig panierte Karfiol-Röschen, bestreuselt mit Nüssen, geschärft mit Chili, gesäuert mit Limette, zu tunken in Soja-Sauce – das kam richtig gut an. Auch die Hühnerspieße (€ 9,90), saftiges Fleisch mit Erdnuss-Sauce, gefielen – wenn nicht der begleitende Salat gewesen wäre, zu sauer die Marinade, zu wenige Blätter.

Die Sandwiches gerieten tadellos: eines gefüllt mit Lachs und wachsweichem Ei, das andere mit Pastrami und Feige (je € 5,90). Bei den Zitronen-Sardinen zogen alle scharf die Luft ein: ein Mini-Schälchen für Euro 9,90? Aber das erstaunlich sanfte, vollmundige Aroma überzeugte dann doch. Als Klassiker gilt auch der Schokokuchen ohne Mehl (€ 3,40): tatsächlich fluffig und intensiv.

Das Magazin-Deli ist mitnichten billig, aber die Speisen verströmen ein Großstadt-Gefühl. Und wenn du jetzt Angst hast, mit deiner Bestellung ein ausgebeutetes Fahrrad-Proletariat in den Schnürlregen zu schicken: In Salzburg sind die Boten fix angestellt. Und die Gewerkschaft glaubt, bis Jahresende österreichweit einen Kollektivvertrag für alle Beschäftigten zustande zu bringen.

www.foodninjas.at, www.magazin.co.at