Wie unser Atem Wunder wirkt

Eine Atemtrainerin gibt Tipps, denn: Blockaden beim Atmen hemmen uns in unserem Wohlbefinden.

Ruhig einatmen, langsam ausatmen. Es klingt so einfach und fällt uns doch schwer. 26.000 Mal atmet der Mensch an einem Tag. Bewusst wird einem der eigene Atemfluss noch am ehesten in ernsten Situationen: Wenn wir uns schrecken oder ängstigen, halten wir die Luft an. Türmt sich die Arbeit und rennt die Zeit, atmen wir statt tief ganz flach.

Viele sind müde, freudlos

Solche Blockaden beim Atmen hemmen uns in unserem Wohlbefinden. Die ausgebildete Atemtrainerin Renate Eschenlohr erlebt bei vielen ihrer Kunden die Folgen. „Das kann zu Problemen mit Herz und Kreislauf oder der Verdauung führen. Manche Menschen legen sich eine verspannte Körperhaltung zu. Viele werden müde, schlaff und freudlos“, sagt die Salzburgerin.

Man sei dann nicht bei sich selbst – und auch generell am Leben nicht sonderlich interessiert. Zu Eschenlohr gehen seit sieben Jahren Menschen, die wieder „gut atmen wollen“. Im Grunde wie Babys, denn die machen alles richtig: Sie atmen tief ein und ruhig aus.

Wer in diesem „natürlichen Atemrhythmus“ atme, bleibe gesund und erlebe im Alltag kleine Wunder, verspricht Renate Eschenlohr. Eine, die das regelmäßig praktiziert, ist Elisabeth Lechner.

„Keine Angst beim Zahnarzt“

Die Büroangestellte aus Salzburg fürchtet sich nicht mehr vor Zahnarztbesuchen, seit sie bewusster atmet. Eine angespannt erwartete Magenspiegelung absolvierte Lechner bravourös, wie sie erfreut erzählt: „Ich dachte, dass ich eine Narkose brauche. Doch ich habe bewusst geatmet und die Angst ging weg.“

Auch Ärger, Wut, Schreck, Lärm und Stress kann man mit der richtigen Atemtechnik besser verarbeiten. „Gefühle lassen sich nicht unterdrücken“, betont Eschenlohr. Besser sei es, Gefühle wahrzunehmen und mit ruhigem Atmen so lange Raum zu geben, bis sie wieder vergehen.

„Ich bleibe jetzt auch bei Stress viel mehr bei mir“, beschreibt Elisabeth Lechner. Wenn Arbeitskollegen sie ein, zwei Minuten mit geschlossen Augen sehen, wissen sie: Lechner atmet. Die lächelt: „Ich fühle mich dann einfach gut.“

Wenn wir uns Zeit nehmen, mit Atmen kurz Einschau nach innen zu halten, entspannen wir uns und versorgen unseren Körper ausgiebig mit Sauerstoff. Eschenlohr: „Das bringt einen Energieschub, der die Lebensfreude ankurbelt.“

Drei Übungen für den Alltag

Übung 1: In aufrechter Sitzposition Augen schließen. Hände auf den Unterbauch legen. Ein, zwei Minuten lang durch die Nase ein- und durch gespitzten Mund langsam ausatmen. Das Geschehen „beobachten“. Führt zu Ausgeglichenheit und im Liegen zu leichterem Einschlafen.

Übung 2: Aufrecht sitzend bewusst und hörbar durch die Nase ein- und atmen. Mit dem Ausatmen den Kiefer senken. Löst Verspannungen im Kiefer, die durch „Durchbeißen“ oder „sich etwas verkneifen“ entstehen können.

Übung 3: Bei Ärger: Durch die Nase einatmen. Beim sanftem Ausatmen durch den Mund: zählen von 1 bis 5. Besänftigt emotionalen Stress enorm.

Von Sabine Tschalyj