Im Urlaub: Vorsicht, Vorurteil!

Im Urlaub sind wir nicht gefeit vor Vorurteilen. Einen Deutschen erkennen wie von Weitem. Bisserl gemein wir wir halt sind.

Was der Österreicher an sich gern mag: Urlaub. Was der Österreicher nicht so gern mag: Im Urlaub für einen Deutschen gehalten werden. Passiert ihm halt oft und überall, weil niemand die Deutschen und die Österreicher auseinanderhalten kann außer die Deutschen und die Österreicher selbst. Die Einschätzung der Mitmenschen aus anderen Ländern wird ja in erster Linie von Klischees und Vorurteilen dominiert, aber wenn man dann im Urlaub ist, diese Mitmenschen aus anderen Ländern live sieht und mit ihnen zu tun hat, merkt man: Die sind ja wirklich so. Die Klischees sind wahr! Und das zu beobachten, ist recht amüsant.

Da begegnen einem die stets sonnenverbrannten, stets zu leicht bekleideten Briten, und man fragt sich, ob in England das Konzept Sonnencreme eigentlich unbekannt ist, das ganze Land ein schwarzer Fleck auf der Nivea-Weltkarte? Dann gibt es die Holländer, die sich anhören, als sei ihr Deutsch kaputt, sie sind umgänglich und haben dieses leichte Grinsen, das mit einer gewissen permanenten alkoholischen Seligkeit einhergeht. Die Italiener achten auf ihr Aussehen und auf das ihrer Kinder, ein lebendiger Katalog, an dem man erkennen kann, was grad gewandmäßig im Trend ist, bei kleinen Mädchen im Sommer 2018 übrigens Stoffblumen im Haar, und sie reden mit dem ganzen Körper, die Italiener, große Gesten, wildes Gefuchtel, dio mio – vielleicht muss dieser Körper deshalb immer gut gekleidet sein. Die Franzosen geben sich zurückhaltender, sie haben ein stilles, überlegenes Lächeln, in ihrem Chic sind sie den Italienern ähnlich, und sie bleiben gern unter sich, wie Leute das tun, die sich insgeheim als Elite fühlen. Die Spanier zeichnen sich durch eine unheimliche Redegeschwindigkeit aus, und wäre Sprechen eine Sportdisziplin, die Spanier wären im Ziel, bevor die Schweizer überhaupt losgelaufen wären.

Mei, und dann unsere Lieblinge, die Deutschen. Wie ist es möglich, denke ich im Urlaub oft, dass man einem Deutschen schon aus drei Kilometern Entfernung ansieht, dass er ein Deutscher ist? Auch wenn er keine Bauchtasche und keine weiße Socken mit Sandalen trägt. Gibt es eine urdeutsche Ausstrahlung oder sind wir da einfach nur sehr sensibilisiert? Er schaut gern ein bisserl verkniffen, unser Nachbar, und er beschwert sich gern. Ordnung mag er auch und Bier. Also, Mareike, das ist jetzt wirklich ein Stereotyp! Freilich. Aber so sind wir eben, wir Österreicher: bisserl grantig, bisserl gemein, immer mit einem ironischen Augenzwinkern.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at