Kuhwiese statt Schreibtisch aus Liebe zur Natur

Der Traum vom eigenen Bauernhof: Ein junger Seehamer entdeckt nach seinem Rechtsstudium die Liebe zur Natur.

Clemens Greischberger ist seinem Traum ein Stück näher. Mit 33 Jahren  hat er gerade die Lehre zum landwirtschaftlichen Facharbeiter abgeschlossen – mit ausgezeichnetem Erfolg – und ist somit berechtigt,  einen Bauernhof zu führen. Der Spätberufene war nicht nur einer der Ältesten in seinem Jahrgang, sondern auch einer der Interessiertesten.
„Die Arbeit als Bauer hat mich schon als Kind begeistert“, sagt der Seehamer, „der Großvater hatte einen Hof, da habe ich immer  mitgeholfen.“

Ein Spätberufener

Beruflich geht es aber zunächst in eine andere Richtung. Greischberger  besucht die Handelsakademie in Salzburg und maturiert am Abendgymnasium.   Dann beginnt er ein Studium, Recht- und Wirtschaftswissenschaft.  Er hält sich mit Nebenjobs über Wasser, denn er will den Eltern nicht  auf der Tasche liegen.  Er ist Piercoach  in der Bewährungshilfe für Alkolenker,  Outdoortrainer in einem Hochseil- und Freizeitpark und dann noch Studienassistent. Zeit zum Lernen nimmt er sich im Bus, auf den Fahrten zwischen Seeham und Salzburg und in der Nacht. Als der Vater verunglückt und zu einem Pflegefall wird, kümmert er sich auch noch um ihn. Auf die Frage, ob ihm das nicht irgendwann einmal zu viel geworden ist, antwortet er: „Ja, schon. Aber dann haben mich meine Kumpels  aufgefangen und  wieder motiviert.“

Hof kaufen: unleistbar

Und so  schließt Greischberger das Studium  2015 mit dem Master ab.  Er findet  einen Job, den er mag.  Doch die Sehnsucht nach einer Arbeit in und mit der Natur  ist nach wie vor stark.  Er  beginnt neben dem Beruf  die Ausbildung zum Bauer.  Das heißt: zweimal pro Woche nach der Arbeit theoretische Ausbildung in Landtechnik, Forstwirtschaft, Tierhaltung, Agrarpolitik etc.  Und natürlich der Nachweis entsprechender Praxis. Die macht er bei seinem Onkel, der inzwischen den Hof vom Großvater übernommen hat.
„Jetzt habe ich mir erst mal eine Auszeit gegönnt“,  entschuldigt sich der Jungbauer fast, als wir ihn zum Gespräch treffen, „bin in verschiedene Länder gereist und habe es mir gut gehen lassen.“  Beruflich will er  ganz neu durchstarten.  Entweder als Vollzeit- oder als Nebenerwerbsbauer. Dass das schwer wird, ist ihm klar. „Die Höfe werden in der Familie weitergegeben, oder sie sind unleistbar – speziell in Salzburg.“ Vielleicht wäre ja auch jemand bereit, ihm eine Landwirtschaft auf Leibrente zu überlassen. Die Idee für einen  Bewerbungstext hat Greischberger jedenfalls schon: „Ich möchte Ihren Hof mit großem Engagement weiterführen und auf neue, moderne Beine stellen, aber auch die Tradition und Geschichte des Anwesens hochhalten.“

Von Michaela Pircher