Vermummt zum Luxus-Shoppen

Das Burkaverbot zeigt Wirkung. Araberinnen zeigen jetzt ihr Gesicht. Nur im Walser Outletcenter tragen einige Frauen jetzt sogar Metallburkas.

Lokalaugenschein im Walser Outletcenter. „Warum redet ihr Europäer so viel über den Schleier? Es ist die Tradition, dass unsere Frauen sich verschleiern. Vorgeschrieben ist es nicht.“ Der kuwaitische Familienvater versteht die Aufregung um die islamische Frauenverhüllung nicht. Das Gemeinsame zähle doch, Araber und Europäern hätten sogar gemeinsame Gene: Wissen Sie das? Der Mann ist Lehrer wie seine Frau. Sie bleibt stumm, nickt nur ein paar Mal. Die Frau und die beiden halbwüchsigen Töchter sind im Gesicht unverhüllt, tragen nur Tücher über den Haaren, lange, graue Überkleider und  die obligaten Turnschuhe  – eine moderne arabische Familie im ersten Sommer, da in Österreich das Antlitz sichtbar zu bleiben hat. Das so genannte Burkaverbot zeigt in der Tat Wirkung. Arabische Touristinnen zeigen jetzt ihr Gesicht, in der Salzburger Altstadt sieht man kaum mehr verhüllte Frauen.

Nur die Männer reden

Bereits bei der Buchung klären die Touristikunternehmen und Botschaften die Urlauber aus Nahost auf, am Flughafen Wien erfolgt der nächste Hinweis. Araber, die mit Mietwagen über Deutschland kommen, wissen meist nichts vom Gebot der Sichtbarmachung der Frauen.
Ein junger Mann aus Kuwait chauffiert mehrere junge Frauen zum Luxusshoppen ins Himmelreich. Die elfköpfige Familie ist aus der Schweiz angereist, im Tessin herrscht ebenfalls ein Verschleierungsverbot. Die jungen Frauen, gekleidet in die orthodox-religiösen, schwarzen Stoffschichten, verfolgen aus neugierigen Augen das Gespräch. „Wir respektieren die Regeln in Europa“, erklärt der Mann, einen Hauch von Missmut nicht verbergend. Zu Hause sei das anders. „War’s das?“, meint er dann noch, und: „No fotos, no names.“ Später wird auch diese Familie vollbepackt mit Einkäufen durch die Mall schlendern.

Eine Art Frauenkandare: Schweigen ist Gold

„Araber sind gute Kunden“, sagt eine Verkäuferin. Die konsumfreudigen Touristen füllten das Sommerloch. Auch im Outletcenter gehen viele Araberinnen „ohne“. Manchen ist das aber zu nackt. Und während man in Zell am See zu Mundschutz aus der Apotheke greift, sieht man in Wals Frauen mit einer irritierenden Metallkonstruktion vor dem Gesicht: Die archaische Burka aus dem Oman ist ein Gestell vor Nase, Mund und Stirn, das an eine Kandare erinnert –  Schweigen  ist Gold.

„Sichtungen“ in Wals

Eine junge Verkäuferin findet es „sehr diskriminierend, dass Frauen sich so verschleiern müssen, bis nur mehr die Augen herausschauen. Wir sind doch im 21. Jahrhundert.“ Es sei im Center untersagt, Kunden auf das Verhüllungsverbot anzusprechen, auch der Security. Obwohl eine Verkäuferin sich das „wünschen  würde“.  Eine ehemalige Gastronomiekraft  kennt arabische Touristen auch als Gäste. Ihre Erfahrung: „Die Tische schauen  nach dem Essen fürchterlich aus, das kennt man bei uns so nicht.“ Als entwertend empfand sie die Bräuche, die man gegenüber „Ungläubigen“ pflegt. „Ich durfte beim Zahlen das Geld nicht aus der Hand einer Araberin nehmen. Die hat das auf den Tisch gelegt und dann weggeschaut“, so die Frau.

Polizei geht jeden Tag durch

Outlet-Betreiber McArthurGlen, der  in den arabischen Herkunftsländern intensiv wirbt, äußerte sich über eine Wiener PR-Agentur  nur so: „Die Regelung betrifft alle öffentlichen Räume und Orte. Die Umsetzung obliegt allein den öffentlichen Organen.“

Die Polizei streife einmal täglich durch das Outletcenter, in Uniform aber auch in Zivil, erläutert Polizeisprecher Michael Rausch. Es habe „einige Sichtungen verschleierter Personen“ gegeben. Diese würden angesprochen und erhielten einen Folder. In der Getreidegasse und beim Bahnhof gebe es keine Beanstandungen, keine Organmandate. „Wir sind sensibilisiert, wir können uns aber nicht wie die Studenten hinstellen und Folder verteilen.“ Die mussten übrigens bereits nachgedruckt werden.

Sonja Wenger