Im Stille-Nacht-Kajak ans Schwarze Meer

Ein einstiger UNO-Soldat paddelt für den Weltfrieden gen Süden. In seinem Kajak geht es von Oberndorf bis ans Schwarze Meer.

20 Kilometer vor der rumänischen Grenze ist der Handy-Empfang top. „Ich sitze gerade im Kajak und lasse mich treiben“, lacht Stefan Ortner ins Telefon. „Das Wetter ist trüb, seit zwei Tagen regnet es.“ Was seine Laune nicht zu trüben scheint, denn Ortner hat ein Ziel.  Am 22. Mai ließ er in Oberndorf sein Kajak in die Salzach, paddelte weiter auf Inn und Donau, wo er Kurs Richtung Schwarzmeerküste nahm. Er passierte die Städte Passau, Wien, Budapest und Belgrad. Sein Ziel: Das Donaudelta in Rumänien, konkret der Leuchtturm in Sulina. Rund 2350 Kilometer wird er dann gerudert sein. Die Strecke geht in die Arme, sieben Mal war er schon nahe dran, aufzugeben, erzählt Ortner, der nach einem schweren Skiunfall und einer FSME-Infektion Frühpensionist ist. „Meine Fans auf Facebook haben mich motiviert, durchzuhalten“, sagt Ortner.
Und die Botschaft, die er mitführt. Denn Ortner paddelt im Stille-Nacht-Jahr 2018 für nicht weniger als den Weltfrieden. Er möchte die Botschaft des berühmten Weihnachtsliedes  in die Welt tragen.

Man braucht nicht viel

„In Serbien war es nicht so einfach, denn die Orthodoxen glauben, dass das Lied für Katholiken ist. Doch es geht darin um den Frieden und nicht so sehr um Religion. Das versuche ich zu vermitteln, wenn ich es sprachlich rüberbringe“, sagt Ortner.
Der Friede ist dem gebürtigen St. Pöltener, der lange Zeit in Salzburg lebte und heute in Laufen zuhause ist, ein Herzensanliegen. Als UNO-Soldat war er  in den 1980ern und 90ern vier Mal in Syrien stationiert, auch auf Zypern und am Golan war er im Einsatz. „Ich habe einen Teil meines Lebens in Syrien verbracht. Es ist tragisch, zu sehen, wie dort getötet wird, Kulturgüter zerstört werden. Wir haben nur eine Welt, die sollten wir erhalten, nicht zerstören und töten. Deshalb bin ich von Herzen Friedensbotschafter“, erklärt Ortner. Und das Stille-Nacht-Lied war immer Teil seines Lebens, auch am Golan haben sie es zu Weihnachten angestimmt. Bei Erscheinen dieses Berichts hat Ortner das Schwarze Meer bereits erreicht. Die Menschen hätten ihn meist sehr positiv aufgenommen,  erzählt er.
Oft nächtigt er in einem Zelt auf Inseln im Fluss, damit er vor Überfällen geschützt ist. In der Luke, wo sonst der zweite Ruderer sitzt, führt er „alles für den täglichen Gebrauch“ mit. Da hat nicht viel Platz. Doch Ortner sagt: „Man glaubt gar nicht, mit wie wenig man auskommt. Man nimmt viel zu viel mit.“

Petra Suchanek