„Der Islam ist das Über-Drüber-Patriarchat“

 Salzburger Ex-Tourismusmanager Wolfgang Rinner lebte lange in arabischen Ländern. Er schreibt Bücher zum Islam-Konflikt.

Was  sagt man im Nahen Osten zum Schleierverbot?
Wolfgang Rinner: Die Leute bekommen das natürlich mit. Je eingefleischter man als Muslim ist, umso mehr hält man daran fest. Diese schwarz gekleideten Frauen gibt es erst seit 30, 40 Jahren, beginnend im Iran und mit dem Einfluss der Wahhabiten in Saudi-Arabien. Die Frauen waren früher  bunt gekleidet. In den Städten sind sie sogar schwimmen gegangen, im Badeanzug. Das ist heute undenkbar.
Wer bestimmt über die Verhüllung?
Ich behaupte, es sind zu 75 Prozent die Frauen selbst. Oft die Mütter oder die Großmütter. Meine Verlobte hat gesagt: Wenn sie verheiratet ist, wird sie  den Niqab tragen.
Warum wollte sie das?
Weil arabische Männer gegenüber Frauen sehr lästig sein können. Und weil man sagt, dass Frauen, die ihre Haare nicht bedecken, unsittlich sind. Ungläubige Frauen gelten  als Freiwild. Das Problem des Islam ist das Über-Drüber-Patriarchat.

 

Das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz (ab Oktober 2017)  verlangt die Erkennbarkeit des Gesichts. Verboten sind der islamische Gesichtsschleier (Niqab), das Stoffgefängnis Burka, aber auch Vermummung durch Schal oder Haube. Die Verhüllung des Kopfs (Hijab, Chador) ist erlaubt. Bis März  gab es 50 Anzeigen (Verwaltungsstrafen bis  150 Euro, Organmandat 50 Euro). Im Kern geht es um den Wertestreit mit dem Islam. Ein algerisch-französischer Geschäftsmann kämpft für die Frauenverhüllung: Er hat in Frankreich, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden schon 300.000 Euro an Strafen übernommen. Eine Wiener Psychologin, die im Winter wegen ihres Schals bestraft wurde, will das Gesetz mit Hilfe eines Prominentenanwalts zu Fall bringen.