Anrainer verjagen Prostituierte

Straßenstrich: In Schallmoos haben Bewohner die Nase voll. Die Behörden sagen: Ganz  kriegt man das nicht weg.

Im Salzburger Stadtteil Schallmoos gärt es. Messerstechereien, eine Schießerei im Lechner-Park und der illegale Straßenstrich  beunruhigen die Bewohner. Sie greifen  mittlerweile zur Selbsthilfe und vertreiben die dort herumstehenden Prostituierten. Ein Anrainer  (er bat um Anonymität) schildert: „Wir wohnen an der Breitenfelderstraße, wo die Frauen stehen und die Freier herumfahren. Die fahren hin und her, bis sie sich trauen, eine Frau anzusprechen. Teilweise treiben sie es in Hinterhöfen oder sie fahren mit dem Auto in das Industriegebiet, wo sie niemand sieht.“ Der Vater dreier Kinder hat Frauen auch schon „verjagt“ und redet die Freier an. Die reagierten abweisend oder sie sagen, „sie tun niemandem was.“

Müll: Kondome, Feuchttücher

Eine Bewohnerin an der Altgasse ergänzt: „Die Frauen schreien in der Nacht oder sie singen. Der Müll hat zugenommen. In der Früh liegen Kondome und Feuchttücher herum.“ Die Salzburgerin wünscht sich ein massiveres Vorgehen der Behörden. „Die Großkontrollen helfen zwar eine Zeit lang. Dann sind die Frauen aber wieder da.“ Es brauche wohl andere Gesetze.

361 Strafbescheide

Tatsächlich haben die Polizei und das Ordnungsamt der Stadt heuer bereits 46 Schwerpunktkontrollen durchgeführt. Handhabe sind das Aids-, Geschlechtskrankheiten- und das Landessicherheitsgesetz: Heuer gab es bereits 186 Anzeigen wegen Aidsgefährdung (2017 waren es  454),  175 Strafverfügungen, 14 Aufenthaltsverbote. Frauen  werden auch in Schubhaft genommen und bis zur ungarischen Grenze abgeschoben. Die Strafen sind nicht unerheblich – und werden häufig von den männlichen Organisatoren, den „Onkeln“, beglichen: 360 Euro beim ersten Mal, 600 Euro ab dem zweiten Delikt, kumuliert oft 1200 Euro an einem Abend.

Sex um 10 Euro

„Wir tun sehr viel“, reagiert man im Büro von Bürgermeister Harald Preuner auf die Kritik der Anrainer und die Forderung von SPÖ-Gemeinderätin Hannelore Schmidt, selbst Schallmooserin, nach mehr Kontrollen. Es handele sich um einen prekären Wanderstrich von Ungarn, Slowaken, Rumänen, Bulgaren. Die Preise begännen bei zehn Euro. „Die sind im Sommer in Italien in den Touristenzentren tätig. Wenn das Geschäft dort nachlässt, fahren sie weiter. Man kriegt das nicht ganz weg.“  Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler hat in den SN nun verstärkte Kontrollen für Schallmoos angekündigt. Zum Strich meint er: „Wir bemühen uns redlich, den Damen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Das Problem ist, wenn man welche abschiebt, kommen neue nach.“

Sonja Wenger