„Ich kann das Leben nur mehr als Satire ertragen“

Hitler in Unterhosen. Wer zeigt denn so etwas? Regisseur Wolfram Paulus tut es. Er lebt in Hallein.

Er ist einer der wesentlichen Filmschaffenden Österreichs, stammt aus dem Pongau und lebt in Hallein. Jetzt nimmt er sich Adolf Hitler vor. Zunächst in Form einer szenischen Lesung. Und dann als Filmsatire.

SF: Sie haben in der Hitze ein schattiges Platzerl?

Wolfram Paulus: Ja, in der Wohnung in Hallein. Seit 1. März wohne ich im Pfarrhof. Ich verlasse Hallein erst, wenn die Stadt in einem Film eine historische Rolle gespielt hat.

Das Kino in Salzburg widmet Ihnen einen Schwerpunkt.

Es geht um mein neues Projekt namens Berghof. Daraus soll eine Filmsatire entstehen. Als Vorstufe gibt es eine Lesung in Das Kino. Rund um diese Lesung mit Werner Friedl, Susanne Czepl und Thomas Landl bauten sie nun eine cineastische Landschaft meiner Filme.

Inhalt? 

 

 

 

Berghof läuft unter ,Was wäre gewesen, wenn . . .’ und ist eine fiktive Geschichte: Josef Walch, ein Berchtesgadener, wird als Adolf Hitlers Doppelgänger aufgebaut und trainiert. Im Juni 1943 soll er Hitler, der körperlich und geistig immer mehr verfällt, ablösen. Zuvor schon sieht ihn Obernazi Martin Bormann auf einer Bühne in Berchtesgaden. Walch tritt als Hitler auf und karikiert ihn. Danach muss er ins Gefängnis und zur Strafe nach der Freilassing in Berchtesgaden Hitlerbüsten für Touristen schnitzen.

Sie greifen tief in die Satire-Kiste. Warum?
Ich kann die heutige Welt nicht mehr mit diesem Ernst behandeln wie etwa Michael Haneke oder Ulrich Seidl. Die Ironie bleibt mir als einziges Mittel. Nicht nur mit dem Blick auf die Welt, sondern auch mit dem auf mein Leben. Meine Komödien wachsen aus dem Boden. So wie die Schicksale von Menschen. Deren Schicksale wachsen oft aus der Verzweiflung.

Klingt nicht euphorisch.
Ich hatte am Anfang meiner Laufbahn einige Vorbilder aus der Filmgeschichte. Was die Bildsprache angeht, war das Robert Bresson. Ich hab ihn 1984 vor meinem Film „Heidenlöcher“ in Paris besucht. Seine Energie aufgesaugt. Später, und nach dem Erfolg des Filmes, hab ich ihn wieder besucht. Ihm den Film gezeigt. Er fand ihn gut. Ich lud ihn zum Essen ein. Er entschuldigte sich. Er habe anderes zu tun. Er treffe am Abend zwei Männer, die bereit wären, seinen nächsten Film zu produzieren. Er sagte: ,Ich habe ja seit fünf Jahren keinen Film mehr gedreht.’ Das hat mich sehr berührt und mir Angst gemacht. Jetzt blüht mir das selbst. Und es berührt mich ziemlich, dass mir eine Art von Comeback nicht gelingt. In Bezug auf Robert Bresson muss man ja sagen, er prägte mit seinen Werken die Filmgeschichte.

Sie schrieben ab den 1980er Jahren selbst Filmgeschichte. „Heidenlöcher“ lief bei den Berliner Filmfestspielen 1986.
Noch einmal: Wenn ich auf die letzten Jahre beruflich zurückblicke und betrachte, was global vor sich geht, bleibt nur Satire zur Bewältigung der Situation.

Wie wurde Wolfram Paulus, der Bub aus Großarl, zum Filmemacher Paulus?
Mein Vater war passionierter Amateurfilmer. Ohne ihn wäre das nichts geworden. Wir hielten schon als Kinder Schweinwerfer und spielten in Filmen mit. Mein Bruder Albert zeigte als Schauspieler viel Talent. Vater bespielte mit seinen Filmen alle Genres.

Auch die Oma war wichtig, stimmt?
Ich wusste von ihrem Berchtesgaden-Bezug. Erst als ich meine fiktive Story „Berghof“ über den Berchtesgadener Holzbildhauer Josef Walch schrieb, wurde ich auf sie neugierig, fragte Verwandte und erfuhr, dass sie in Berchtesgaden als Eleonore Walch zur Welt kam und Tochter eines Kunsttischlers war. Fazit: Wieder einmal schaute mir beim Schreiben einer historischen Story der Geist einer bestimmten Person aus jener Zeit – diesmal die eigene Oma – über die Schulter. Ich wurde unbewusst von ihr fast wie von einem Steuermann gelenkt.

Lesung am Donnerstag, 9. August

 

 

Premiere: Szenische Lesung aus dem Drehbuch „Berghof“ von Wolfram Paulus: Es lesen Susanne Czepl („Die Toten von Salzburg“, „mutter.TRAKL“), Werner Friedl (ehem. Ensemblemitglied des Salzburger Landestheaters) & Thomas Landl („Soko Kitzbühel“, „4 Frauen und ein Todesfall“).
Donnerstag, 9. August, 20.15 Uhr DAS KINO, Giselakai 11.

Von Heinz Bayer

Im Bild oben: Werner Friedl als Hitler-Double. Bild: Susanne Czepl

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