Heimbewohner – bitte melden

Reicht die Betreuung in den Salzburger Altenheimen aus? Die Seniorenheimaufsicht prüft Beschwerden.

Zwei „Fenster“-Berichte über die dünne Personaldecke in Seniorenheimen in der Stadt Salzburg ließen jüngst aufhorchen. Dass nachts eine einzige Pflegekraft für 50 und im Seniorenheim Hellbrunn gar für 100 Bewohner verantwortlich ist, fanden Stadt-NEOS, Stadt-FPÖ und viele Leser untragbar. Auch weitere Vorwürfe wurden geäußert. Das „Fenster“ hat bei der Heimaufsicht des Landes nachgefragt, wie sie zu der Kritik steht. Der zuständige Leiter der Sozialabteilung, Andreas Eichhorn, zeigt sich gelassen.

Ein Pfleger, 50 Leute

„Wir überprüfen in allen Seniorenheimen bei unangekündigten Kontrollen, ob das Personal ausreicht“, schildert Eichhorn. Im Vorjahr habe das vierköpfige Team immerhin mit rund 3000 Bewohnern in den Heimen Gespräche geführt. Ist ein Nacht-Pfleger für 50 und mehr Bewohner genug? Die Position der Heimaufsicht erstaunt: „Ja, sofern Heimbetreiber und Prüfer zu diesem Ergebnis kommen“, so Eichhorn. Heimbetreiber müssten jedenfalls die Standards einhalten, die das Salzburger Pflegegesetz vorschreibe.

Heimaufsicht-Chef Andreas Eichhorn nennt die Betreuung gut, auch wenn nachts für 50 Leute nur ein einziger Pfleger da sei. Bild: ST

Wobei das Salzburger Gesetz keinen Mindest-Personalschlüssel vorschreibt. „Den brauchen wir auch nicht. Die Heimbetreiber wissen selbst, wie viel und welches Personal sie benötigen“, meint Eichhorn. Heimträger kritisieren allerdings, das Land Salzburg zahle ihnen zu wenig Geld pro Bewohner. Deshalb könne man nicht mehr Pfleger anstellen. Der Ball wird in Salzburg den Bewohnern, Angehörigen und Pflegekräften zugespielt. „Wenn die sich bei uns über konkrete Sachverhalte beschweren, gehen wir diesen nach“, sagt Eichhorn.
Doch viele Bewohner behalten ihren Ärger lieber für sich. „Es geht ja um sehr private Dinge“, räumt Heimaufsicht-Mitarbeiter Michael Ferner ein. „Wir hinterlassen bei den Überprüfungen jedem Bewohner ein Kärtchen mit unserer Telefonnummer“, so Ferner (Kontakt siehe unten). Nur 40 Personen hätten im Vorjahr diese Kontaktmöglichkeit genutzt.

Einmal pro Woche Duschen

Bei den Gesprächen sei die Hygiene oft Thema. So auch bei Lesern, die dem „Fenster“ geschrieben hatten: Die hochbetagte Mutter im Heim habe nach zwei Wochen noch immer dasselbe Kleid getragen – von oben bis unten schmutzig, hieß es in einer E-Mail. Oder dass Bewohner nur ein Mal pro Woche geduscht würden.
Wie findet das die Heimaufsicht? Eichhorn: „Es geht nicht an, dass wegen Personalmangels Bewohner nicht umgezogen werden oder seltener geduscht werden, als sie möchten.“
Doch oft wollten es die Bewohner selbst so. Man versuche, den Senioren möglichst viel Selbstbestimmtheit zu lassen – auch wenn Angehörige ihre alten Eltern lieber mit gepflegterem Äußerem sähen. Mindeststandard in den Heimen sei das Duschen einmal pro Woche.
In Sachen Personalmangel verweist der Heimaufsicht-Chef auf die jüngst gegründete Pflegeplattform. Um mehr der dringend benötigten Pflegeassistenten zu bekommen, werde jetzt an vielen Rädchen gedreht.

Kontakt

Die Seniorenheimaufsicht des Landes ist erreichbar unter der Telefonnummer 0662-8042 DW -3465 oder -3545