Der Mensch, das Gewohnheitstier

Hauptkühlschrankbefüller verzweifeln, wenn der gewohnte Supermarkt sein Sortiment umräumt. Kein Wunder!

In Hof gibt’s einen neuen Hofer, und ich war noch nicht drin. Das tun die ja ständig, die Hoferischen, die reißen den gesamten Supermarkt ab und bauen einen neuen, am selben Ort, nur moderner und vermeintlich geiler, irgendwo müssen sie wohl hin mit ihrem Geld. Und sie machen mir damit das Leben schwer. Denn da steht jetzt also dieser neue Hofer, moderner und geiler, und falls die den anders eingeräumt haben, kenn ich mich da drin ja gar nicht aus.

Und wenn Sie jetzt denken: Was redet die da, dann sind Sie in Ihrer Familie vermutlich nicht der Hauptkühlschrankbefüller. Als Hauptkühlschrankbefüller verbringt man nämlich viel Zeit mit Einkaufen. Man verbringt auch viel Zeit damit, sich zu überlegen, was man einkaufen soll, was die Kinder für eine Jause essen könnten (statt sie unberührt wieder heimzubringen), was man kochen soll und was bald aus ist, Olivenöl und Alufolie und Klopapier und Rasierschaum, weil man ja nicht nur den Kühlschrank zu befüllen hat, sondern auch die Speis und die Badezimmerkastln.

Deshalb ist man froh, wenn man sich im Supermarkt an einer inneren Karte orientieren kann, und deshalb geht man auch immer in die gleichen Supermärkte, weil man für die eben schon eine innere Karte angelegt hat. Darauf sind die Wege vorgezeichnet, erst zum Obst und Gemüse, dann zum Brot, um die Ecke sind Milch und Eier, am Schluss die Tiefkühlsachen. Geht man mal fremdeinkaufen, also in einen Laden, in dem man sonst nie ist, rennt man herum wie ein kopfloses Hendl und steht am Ende zuhause vor nur der Hälfte Sachen, weil man die andere Hälfte nicht gefunden und dann vergessen hat.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, in jeder Hinsicht. Das ist manchmal gut, weil es im Alltag vieles erleichtert, weil Vorgänge automatisiert werden und weniger anstrengend sind, manchmal schlecht, weil man Veränderung scheut und stur auf seinem Hintern hockt. Wir wollen nicht, dass irgendwas anders wird, Herrschaftszeiten, wir machen das doch schon seit fünfzig Jahren so! Ich geh zwar erst seit fünf Jahren in Hof einkaufen, aber das reicht ja auch. Übrigens haben die von der Billa gedacht: Ey, es wird ein neuer Hofer gebaut, räumen wir doch derweil unser ganzes Sortiment um. Wissen Sie, was das für ein Gefühl ist, wenn man – in seinen gewohnten Bahnen, an den vorgezeichneten Wegen der inneren Karte entlang – zu den Cornflakes greifen will und an derselben Stelle plötzlich Gurken sind? Mein innerer Monk musste wiederbelebt werden. Vielleicht geh ich lieber demnächst doch in den neuen Hofer.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin.
Mail: interaktiv@svh.at