Das Hamsterrad kurz anhalten

Junger Tenor will Passanten mit seinen Liedern zehn Minuten Auszeit schenken.

Als Wiener Sängerknabe reiste Joachim Bischof durch die Welt, heute zieht er mit einer musikalischen Botschaft durchs Salzburger Land: Er möchte den Menschen Musik schenken, sie dazu bewegen, kurz innezuhalten im Alltag.

„Den Menschen in der heutigen Zeit fehlt die Ruhe. Sie nehmen sich keine Zeit mehr für sich und füreinander. Es braucht eine Auszeit in der unruhigen Zeit“, sagt Joachim Bischof. Der junge Tenor aus Mühlbach am Hochkönig erhielt bereits mit 16 Jahren Unterricht am Mozarteum.

Joachim Bischof möchte mit seiner Musik bewirken, dass die Menschen im Alltag zu mehr Ruhe finden. Fotos (2): Suchanek

Im Frühjahr startete er in Schwarzach sein Projekt „10 Minuten Auszeit“. Mit Funk-Mikrofon und Akkubox für die Playback-Musik stellt er sich dabei an stark frequentierten Orten wie Geschäften oder Gastgärten auf und beginnt live zu singen.

Seine Überraschungsauftritte – vom Einkaufszentrum in Bischofshofen bis zur Vinothek Döllerer in Golling arbeitet er sich langsam Richtung Stadt Salzburg und den Flachgau vor – kamen bisher gut an, erzählt Bischof. „Die Leute sind sehr überrascht. Die meisten bleiben stehen, nehmen sich die Zeit und hören zehn Minuten zu.“ Manche seien aber auch so auf ihr Handy fixiert, dass sie im Vorübergehen nicht einmal aufblickten, beobachtete er.

Um Spenden bittet Bischof nicht: „Ich schenke den Leuten etwas, sie müssen mir nichts zurückschenken.“ Sein musikalisches Repertoire ist breit gefächert, er singt Klassik, Pop und Jazz. Bei seinen spontanen Auftritten interpretiert er gern bekannte Songs wie „Grande Amore“ von Il Volo oder „You raise me up“ von Josh Groban.

Denn Bischof hat als Gesangsstudent am Mozarteum keine Berührungsängste mit diversen Genres – im Gegenteil. Er möchte die Klassik „auffrischen“ und mit modernen Musikstilen verbinden.

In seinem Elternhaus in Mühlbach hat er ein eigenes Tonstudio eingerichtet. Dort komponiert und arrangiert er und nimmt stundenlang auf. „Die technischen Möglichkeiten sind heute wunderbar. Ich mache die Arrangements fürs Playback alle von Null weg.“

Spontanauftritte vor Geschäften und in Cafés

Von seiner Familie – Bischof ist das Drittälteste von acht Kindern – ist er bislang der Einzige, der den musikalischen Weg eingeschlagen hat. Seine Mutter hat ihn mit neun Jahren zum Vorsingen für die Wiener Sängerknaben gefahren, damit nahm seine Karriere ihren Lauf. Mit Einsatz des Stimmbruchs verließ Bischof den berühmten Knabenchor und organisierte sich wenig später Solo-Auftritte.

So wurde der Verein Tauriska auf ihn aufmerksam, der ihn der Kunsthilfe Salzburg weiterempfahl. Diese ist ein ehrenamtlicher Verein, der lokale Künstler am Beginn ihrer Karrieren fördert – indem er sie mit der Wirtschaft zusammenführt und ihnen etwa zu Auftrittsmöglichkeiten verhilft. Im Vorstand sitzen mit der Kunst- und Kulturszene gut vernetzte Persönlichkeiten wie Eva Weissenbacher, Alfred Winter, Karin Rehn-Kaufmann und Dominique Schichtle.

Die Kunsthilfe Salzburg half Bischof auch bei der Verwirklichung seines Projekts „10 Minuten Auszeit“. So organisierte sie für ihn bereits mehrere Konzerte in Unternehmen. Für 20. September ist ein Auftritt Bischofs bei einer Roadshow von Denzel fixiert.

Abseits von Firmenfeiern sollen Bischofs Spontanauftritte auch solche bleiben, es gibt dafür keine festgesetzten Termine und Orte. Der junge Tenor schließt sich vorher aber mit den Cafés und Geschäften kurz, denn er will niemanden verärgern.

Sein Ziel ist klar: „Ich will die Leute begeistern, am Land mit ein bisschen exotischer Musik überraschen, einen Dienst leisten“, sagt Bischof. Wem sein Auftritt gefallen hat, der kann auf einem Roll-up-Plakat unterschreiben, das reicht Bischof: „Musik ist mein Leben. Ich bin fest überzeugt, dass man mit ihr die Welt zu einem besseren Ort machen kann.“

Von Petra Suchanek