30 Jahre Vorkoster. Und wie das alles anfing.

In einem Blick zurück erfahren Sie, welch wichtigen Anteil an dem Langzeitprojekt die Vorkosterin hat.

Jubiläen sind sooooo langweilig. Erzählen wir lieber etwas über 30 Jahre Essengehen mit der Vorkosterin. Das ist eine durchaus konfliktschwangere Geschichte. Fangen wir in Waging an, dort braute sich einst ein Gewitter zusammen, direkt im Restaurant. Damals herrschte im dortigen Kurhausstüberl der große Alfons Schuhbeck (im Bild oben), das heißt nicht immer. War der Meister im Haus, war das Essen exzellent. Aber kochte Schuhbeck für die Fußball-Bayern oder scherzte er im Fernsehstudio, dann fiel die Qualität ab auf Wirtshausniveau bei gleichbleibend hohen Preisen.

Wir hatten genau solch einen Abend erwischt. Kühle Kartoffeln, rahmschweres Selleriepüree, überwürzte Fischsuppe. Und dann kam das Heiligtum, die gebratene Bauernente. Die Vorkosterin wollte den Teller nicht tauschen, schob nur ein Stück Fleisch rüber, da stimmte doch etwas nicht. Der Vorkoster griff über den Tisch und dreht die Entenbrust um – verbrannt. Also nicht artgerecht im Rohr gegart, sondern geschwind im Grill. Und die Vorkosterin wollte das vertuschen!

Die Heimfahrt war ungemütlich. Der Vorkoster wollte dem Schuhbeck jede seiner drei Hauben streichen, die Vorkosterin setzte mit der Drohung, sie fahre sonst nie wieder mit, immerhin durch, dass wenigstens eine Haube in der Wertung blieb. Und als es nach Erscheinen der Kolumne wütende Proteste von Lesern gab: Wie kann man den großen Alfons so mies behandeln! – da sagte sie nur schnippisch: Habe ich ja gleich gesagt.

Wir lernen, die Vorkosterin stand und steht treu auf der Seite der Wirte und Köche. Der Vorkoster muss jede härtere Kritik genau begründen. Und empfindet sie einen Satz als ungerecht, wird sie tagelang insistieren, Frauen können so was. Sie hat aber auch dem Vorkoster beim Erstlesen manchen Blödsinn aus dem Manuskript entfernt. Denn als gebürtige Oberösterreicherin hat sie das Kochen von Einbrenn von Großmutter und Mutter gelernt. Sie ist als Fan des professionellen Handwerks viel enttäuschter als der Vorkoster, wenn die Küche sich die Arbeit spart. Da saßen wir auf einer sonnigen Terrasse über der Donau, und der angeblich hausgemachte Marillen-Eisknödel begann auch noch nach einer Viertelstunde nicht zu schmelzen. Wir tippten darauf, dass der Küchenchef mit Nachnamen Iglo heißt.

Sie liebt das Mittelmeer. Ein, zwei Wochen müssen es jedes Jahr sein. Und da sich die Vorlieben für sauberes Wasser und gutes Essen punktgenau in Istrien kreuzen, kennen wir inzwischen jedes gute Restaurant auf der Halbinsel, Ort mancher Meeresgetier-Orgie. Jetzt weiß die geneigte Leserschaft, wieso sie ab und zu von den jüngsten Erfahrungen informiert wird.
Die Vorkosterin kommt nicht zu jedem Mahl mit. Ab und zu lädt der Vorkoster Spezialistinnen ein, wenn er sich nicht sicher genug fühlt. Sie geht auch nicht mit, wenn das Restaurant zu hochgestochen ist: steif und überteuert. Sie mag sich nicht den ganzen Abend ärgern. Und bringt den Vorkoster subtil dazu, auch nicht mehr über solche Häuser zu schreiben.

Nun ist kein Mensch perfekt. Die Vorkosterin raucht. Vor 30 Jahren qualmte jeder am schön gedeckten Tisch. Inzwischen verschwindet sie klaglos zwischen Hauptgang und Dessert nach draußen und bringt von dort oft Neuigkeiten mit, Raucher sind ein kommunikatives Volk. Manche Geschichte kam dem Vorkoster so zu Ohren, die er dann überprüfen durfte. So hat sogar ihr Laster seine guten Seiten. Kurzum: Ohne die Vorkosterin hätte diese Kolumne 30 Jahre lang anders ausgeschaut.