„Lauter Gemeinheiten“

GKK-Chef Andreas Huss: Regierung plant Totalkontrolle der Versicherten. Man tut so, als seien die Leistungen ergaunert, sagt der Kassenobmann.

Krankenkassenreform,  Ausgabenbremse, 12-Stundentag: Kommen Sie  momentan noch zum Tagesgeschäft, Herr Huss?

Andreas Huss: Ja, es ist herausfordernd, aber wir bauen die Gesundheitsversorgung in Salzburg trotz allem aus. Was die Regierung anbelangt: In dem Initiativantrag zum 12-Stundentag sind lauter Gemeinheiten gegen Arbeitnehmer versteckt. Abgesehen davon, dass die Flexibilisierung in Wirklichkeit eine Arbeitszeitverlängerung ist, werden die Versicherten unter Generalverdacht gestellt.  Die   Regierung will ein neues EDV-Tool einführen, mit dem alle Daten lückenlos gesammelt werden: Krankenstände, Kuren, Medikamente, Heilbehelfe bis hin zum Rollstuhl. Man tut so, als ob das alles ergaunert wäre. Das ärgert mich ungemein.

Bei elf Krankenstandstagen bundesweit – warum unterstellt man da, dass die Leute blau machen?
In Salzburg haben wir nur zehn Krankentage, also noch weniger. Wir haben 2017 mehr als 16.000 Krankenkontrollen, davon 7000 Hausbesuche, durchgeführt. Das geschieht, wenn Krankschreibungen ungewöhnlich lange dauern und mit der Diagnose nicht zusammenpassen. Dann holen wir uns den Versicherten herein und fragen, was los ist, oder unsere Kontrolleure kommen nach Hause und schauen, ob der bettlägerig oder unterwegs  ist.

Also doch Missbrauch?
Nein, meistens kommt heraus, dass es gerechtfertigt ist. 50 Prozent der Langzeitkrankenstände sind schwere Erkrankungen, Krebs, psychische Störungen. Das  will die Regierung alles mit neuer EDV sammeln, obwohl das ohnehin bei uns aufliegt. Man will dazu eine Ausnahme aus der Datenschutzverordnung. Ich frage mich: Wozu?

Was ist für Sie das Worst Case-Szenario der Reform?
Das ist für mich, dass die ganzen Krankenversicherungsbeiträge zentral in Wien eingehoben werden und Dinge nicht mehr finanziert werden. Uns in Salzburg fehlen dann 30 Millionen Euro. Wo kann ich die einsparen? Es gibt nur drei große Blöcke, wo das geht: die Ärztehonorare mit 117 Millionen, Medikamente mit 164 Millionen, die Spitalskosten mit 235 Millionen.

Welche Kosten laufen Ihnen am stärksten davon?
Momentan sind das die Medikamente. Das liegt an den teuren, neuen, innovativen Medikamenten, die  die Pharmaindustrie entwickelt. Der teuerste Patient, den wir derzeit haben, ist ein junger Mann, der eine Enzymersatztherapie bekommt. Der braucht im Jahr Medikamente um 700.000 Euro. Ich möchte, dass wir so etwas auch weiterhin finanzieren können.

Sonja Wenger

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