Züchten, was schon früher gut war

Alte Rassen sind robust und doch stark gefährdet. Ein Bauer in St. Gilgen am Wolfgangsee dachte um – mit Erfolg.

Als Sonja und ihr Mann Andreas Schossleitner Ende 2011 den elterlichen Eislbauerhof in St. Gilgen übernahmen, war dieser ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Mutterkuhhaltung von Fleischrassen. Klein und klassisch, könnte man sagen – und das war das Problem. „Uns wurde gesagt, wir sollten den Hof aufgeben, er wäre zu klein, um rentabel zu sein. Aber das wollten wir nicht“, sagt Sonja Schossleitner.

Eislbauer Andreas Schossleitner mit Pinzgauer Ziegen, einer alten, heimischen Nutztierrasse. Foto: urlaubambauernhof.at / Daniel Gollner

Auch wussten die beiden, dass die Zucht der heutigen Hochleistungsrinder nicht ihr Weg sei. „Die Milchkühe sind Skelette mit riesigen Eutern, die Fleischrinder setzen so schnell Muskeln an, dass sie sich auf der Alm nicht mehr geländesicher bewegen können bzw. gar nicht mehr hinaufkommen. Was die Zucht mit den Tieren macht, ist nicht artgerecht“, sagt Sonja Schossleitner.

Alte Rassen retten und damit den eigenen Hof

So sahen sie und ihr Mann sich um und stießen auf den Hof von Thomas Strubreiter in Scheffau – und damit auf die Lösung ihres Problems. Denn Strubreiter ist Obmann von Arche Austria, einem Verein, der sich seit mehr als 30 Jahren der Erhaltung alter, heimischer Nutztierrassen widmet.

Diese sind besonders robust und an die Lebensbedingungen bei uns perfekt angepasst. Doch im Hochleistungskarussell der konventionellen Landwirtschaft konnten diese Rassen nicht mithalten, manchen stellte auch die Geschichte ein Bein. Sie gerieten in Vergessenheit. 40 Nutztierrassen gelten allein in Österreich als gefährdet.

Mit zwei Pustertaler Sprinzen, einer in Süd- und Osttirol beheimateten Rinderart, legten die Schossleitners die künftige Ausrichtung ihres Hofes fest. „Mit der Umstellung auf die alten Rassen hat sich auch unsere Lebensphilosophie geändert.“

So wie das Fleisch dieser Rinder langsamer wächst, so gingen auch die Bauern „runter vom Gas und einen Schritt zurück“. Sie legten einen Gemüse- und Kräutergarten an, pflanzten alte Obst- und Gemüsesorten und begannen, Zimmer an Feriengäste zu vermieten.

Sonja und Andreas Schossleitner sehen sich in ihrem Weg bestätigt. „Wir bekommen viel positives Feedback von den Gästen.“ Foto: urlaubambauernhof.at / Daniel Gollner

Mit der Umstellung zum biologisch geführten Archehof setzen sich die Schossleitners nicht nur für die Rettung gefährdeter Arten ein, sie retteten so auch ihren Hof. Dort tummeln sich neben den Pustertaler Sprinzen auch andere alte Rassen wie Pinzgauer Kühe, Sulmtaler und Altsteirer Hühner, Wiener Kaninchen und Pinzgauer Ziegen. Im Sommer grasen die Tiere auf der Alm am Zwölferhorn.

„Die Gäste können sich den Tee aus dem Garten holen“

Schossleitners Einsatz hört bei der Stalltüre nicht auf: Sie möchte den Gästen vermitteln, dass man nicht im Überfluss schwelgen muss und Regionales fördern sollte. Das Frühstückbuffett ist bewusst klein aber fein gehalten. Denn Lebensmittel seien zu wertvoll, um sie wegzuwerfen, was bei einem Buffet mit -zig verschiedenen Wurst- und Käsesorten unumgänglich sei.

Aufgetischt werden beim Eislbauern hofeigene Produkte, Selbstgemachtes sowie Lebensmittel von kleinstrukturierten Höfen aus der Umgebung, die die Eislbäurin persönlich kennt. In den Supermarkt geht sie kaum noch, den vielen Plastikverpackungen kann sie nichts abgewinnen. Den Tee (Pfefferminz, Melisse, Malven) können sich die Gäste im Garten holen, der Bezug zum Boden und zur Natur stellt sich da ganz von selbst her.

„Am Anfang waren wir skeptisch, ob das der richtige Weg ist, doch heute sind wir überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben“, sagt Schossleitner, denn sie bekomme viel positives Feedback.

Auch Sohn Jakob hilft schon mit Leib und Seele am Hof mit, erzählt sie. Besonders gefalle ihm, die Eier aus dem Nest zu holen. Manch Henne versteckt ihr Ei, suchen schadet nie. Was andere Kinder nur zu Ostern erleben, ist für den kleinen Jakob ein tägliches Abenteuer.

Von Petra Suchanek

Hauptbild: Die alten Nutztierrassen am Eislbauerhof gefallen auch Sohn Jakob und seiner Nachbarin Tamara. Am Foto sind Sulmtaler und Altsteirer Hühner zu sehen. Foto: urlaubambauernhof.at/ Daniel Gollner