Mordfall Krenn: Erbkrimi um viele Millionen

Zwei Frauen streiten um das enorme Vermögen des ermordeten Roland Krenn. Auch um eine Villa im Süden der Stadt. Beide haben ein Testament. Bei einem gibt es brisante Widersprüche.

Es war ein grausiges, heimtückisches Verbrechen.  In einem Schweinestall im Innviertel  wurde der  Salzburger Immobilienbesitzer und Privatier Roland Krenn (63)   im Mai 2017 ermordet  gefunden. Drei junge Leute und Bekannte Krenns sind  (nicht rechtskräftig) verurteilt.  Das Motiv:  Krenns Vermögen. Der Millionär, der aus der ÖWD-Dynastie erbte, besaß ein Zinshaus, drei  Eigentumswohnungen in bester Stadtlage und in Wals,  eine Villa an der Hellbrunner Allee, ein Seegrundstück in Fuschl, ein Bauernhaus im Burgenland, ein Waldgrundstück; Krenn hatte   teure Motorräder, darunter Harley Davidson,   Oldtimer, Luxusautos,  Schmuck, Wertgegenstände  und Gold, wie seine letzte Geliebte und Freundin, Ursula P. (44), sagt.  Krenn selbst habe ihr „einen Plastiksack voll mit Goldmünzen“ gezeigt. Sie seien  verschwunden.

Ermittlungen eingestellt

Am Bezirksgericht Hallein  startet demnächst ein Verfahren um das Erbe. Denn Krenns  Ex-Freundin  und seine   56-jährige Schwester  verfügen jeweils über   ein Testament, das sie   als Alleinerbin vorsieht.  P.s  Dokument vom 29. Oktober 2015 wurde vor einem Salzburger Notar unterfertigt. Jenes der  Schwester     vom  20. März 2016 ist von drei Zeugen beglaubigt und wird vom Gericht als das aktuellere anerkannt. Ursula  P.     hat die Schwester bei der Staatsanwaltschaft  angezeigt, da  sie die Echtheit des Testaments bezweifelt. „Es ist  unter fragwürdigen Umständen entstanden, die Justiz geht dem nicht in gebührender Weise nach“, sagt die 44-jährige Juristin.  Fakt ist: Das Ermittlungsverfahren gegen die Schwester  wurde vor kurzem   eingestellt. Der Verdacht, wonach ein  „gefälschtes Testament“ vorliegen könnte, sei  widerlegt, so   Staatsanwalt Roland Finster in seiner Begründung. Das  graphologische Gutachten    verleihe „den Zeugen sowie der Beschuldigten Glaubwürdigkeit“.   Allerdings sind  dem Ankläger ein paar  brisante Details entgangen – oder er hat sie schlicht nicht gelesen.
So ist der dritte Zeuge auf dem Testament, der mit  krakeliger Hand unterzeichnet,    laut Polizei unbekannt.   Auch der  Gerichtskommissär habe dies nicht erhoben, das Testament entspreche den damaligen Anforderungen (seit 2017 müssen Zeugen identifizierbar sein). Die beiden übrigen Zeugen sind der Lebensgefährte und eine Freundin der Schwester. Sie schilderten nahezu wortgleich das Zustandekommen des Testaments vier Monate vor Krenns Verschwinden.

Testament entstand am Fuschlsee

Man sei am Palmsonntag 2016 beim Wochenendhaus der Schwester am Fuschlsee mit Laubarbeiten  beschäftigt gewesen.  Krenn, der  angrenzend   ein Blockhaus hat, sei  ebenfalls vor Ort gewesen. Er  habe ihn und die Freundin  kurz zu sich gebeten, so der Lebensgefährte.
„Beim Blockhaus lag auf dem Tisch der Veranda ein Schriftstück. Roland sagte zu uns, das ist mein letzter Wille, könnt ihr mir das als Zeugen unterschreiben“  (Polizeiprotokoll). Beide  hätten den Text  „nur kurz überflogen“ und nicht lesen können, wen Krenn bedachte. Roland Krenn habe dann „vor unseren Augen unterschrieben“, sein Kugelschreiber sei  an die beiden Zeugen „weitergereicht“ worden.
Erst  am Abend erzählte der Lebensgefährte Krenns  Schwester von der Begebenheit. Diese  fand  das Testament  16 Monate später in einer schwarzen Mappe in der Villa des abgängigen Bruders, zusammen mit P.s Testament und einem noch älteren Vermächtnis zu Gunsten der Schwester.  Noch am selben Tag, dem 3. Mai 2017, trug der Notar die Verfügung ins  Testamentsregister ein. Neun Tage später wurde Krenns Leiche gefunden.
Das Gutachten des Schriftsachverständigen Wolfgang Caspart widerspricht den Zeugen diametral. Zwar sei Krenns Unterschrift echt, es seien jedoch „unterschiedliche Kugelschreiberpasten“ verwendet worden.  „Das zeigte sich unter verschiedener Beleuchtung. Was immer die Zeugen sagen, es war nicht derselbe Kugelschreiber“,  sagt  Caspart zum SF. Krenns Schwester wollte sich nicht äußern, sie reagierte verärgert.  Anwalt Michael Hofer ist nicht mehr mit der Causa befasst.  In der Kanzlei von Franz Teufel wollte man eine Anfrage wegen Urlaubs nicht weiterleiten.  Ursula P. hat vorige Woche mit einer 40-seitigen  Eingabe die Fortführung der Ermittlungen beantragt. Die Staatsanwaltschaft oder ein Richtersenat werden nun darüber entscheiden, sagt Sprecher Marcus Neher.

Von Sonja Wenger