Kinder? Ach, die Glücklichen!

Ich bin ja manchmal recht neidisch auf meine Kinder. Ich schau sie an und denk mir, dass ich gern tauschen würde mit ihnen.

Jetzt nicht unbedingt, weil sie so eine tolle Mama haben – wobei das auch ein springender Punkt ist –, sondern einfach, weil sie noch Kinder sein dürfen. Haben Sie schon mal alles, was Sie so als Eltern tun und organisieren und leisten müssen, aus Kindersicht betrachtet?

Wie geil das eigentlich ist, wenn man morgens aufsteht, und man kriegt ein Frühstück, eine Jause kriegt man auch, das Gewand wird einem hergerichtet und man wird pünktlich aus der Tür geschickt, mittags gibt’s was Feines zu essen und mit der Hausübung wird einem auch geholfen.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Es geht genauso gut weiter, denn am Nachmittag wird man zu diversen lustigen Sachen kutschiert, ins Freibad zum Beispiel, zum Fußball, zum Klettern, zu einem Kindergeburtstag, abgeholt wird man auch wieder, Schuhe und Klamotten hat man immer in der richtigen Größe, genug Spielzeug sowieso, und sobald man ein leises Hungergefühl verspürt, wird einem eine Batterie an Möglichkeiten geboten: Magst ein Salzstangerl? Einen Apfel? Trink mal was. Kekse hab ich auch noch.

Entschuldigen Sie, wenn ich mich wiederhole, aber: WIE GEIL IST DAS DENN. Man muss nichts machen, sich um nichts kümmern, von Mieterhöhungen hat man noch keine Ahnung und von cholerischen Chefs auch nicht, dass der gesamte Planet in Plastik erstickt, ist einem noch nicht bewusst, und wieso eigentlich alle vier Jahre neue Vollwappler in die Regierung gewählt werden, hat man sich noch nie gefragt.

Als Kind ist man einfach frei. Und das ist wunderbar, meine Kinder sollen sich nach Herzenslust austoben, sich blaue Flecken holen dabei, Erinnerungen sammeln und goldene Momente. Denn mit der Kindheit ist es ja leider so, dass man gar nicht weiß, wie schön sie ist, während man sie erlebt. Das erkennt man erst später, als Erwachsener, und dann kann man nicht mehr zurück.

Also ja, ich gebe es zu, ich empfinde puren Neid, wenn ich sie so umsorgt und unbedarft und glücklich sehe. Ich möchte auch wieder in den Wald, ins Baumhaus, den ganzen Tag an nichts denken außer an das nächste Abenteuer, und am Abend die Wuchteln von meiner Oma essen.

Aber zugleich gönne ich meinen Kindern von Herzen, wie gut es ihnen geht, und bemühe mich, so viele großartige Augenblicke zu schaffen wie nur irgend möglich, damit sie später lächeln beim Zurückschauen. Wenn sie dann ihre eigenen Kinder ansehen und neidisch sind und sich denken: War schon schön, damals.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin.