Weg vom Handy, hin zum Tanz

Ein Verein fördert Kinder und Jugendliche in Lehen. Das Ziel: Mit Kunst und Kultur Kriminalität vermeiden.

Bis zu 60 Kinder und Jugendliche halten sich täglich auf dem Areal des Stadtwerks Lehen auf. So auch Jasmina Jovanović und Jocelyn Maksutoska, sie sind „unten auf der Straße“, wann immer es geht. Dort ist nicht alles eitel Wonne. „Die Polizei ist oft hier“, erzählen die beiden Zwölfjährigen.

Die Bewohner haben die unterschiedlichsten Wurzeln, Jasminas liegen in Serbien, Jocelyns Eltern stammen aus der Dominikanischen Republik und Mazedonien. Beide Mädchen sind hier geboren, sprechen perfekt Deutsch. Jocelvn geht ins Doppler-Gymnasium, Jasmina besucht die NMS Maxglan.

Was die beiden verbindet, ist ihre Liebe zur Rapmusik. Und zum Tanz. Das wurde ihnen bei einem HipHop-Tanzworkshop im Rahmen des Projekts „Gesund und kreativ“ vom Verein Doyobe so richtig bewusst. „Als die Tanzlehrerin sagte, der Workshop sei aus, sind wir ausgeflippt. Dann haben wir unsere eigene Tanzgruppe gegründet“, sagt Jasmina.

Jasmina Jovanović (li.) und Jocelyn Maksutoska gründeten eine Tanzgruppe. Inspiriert dazu hat sie das Projekt „Gesund und kreativ“ von Onur Bakis im Stadtwerk Lehen. Bild: Suchanek

Doyobe war früher vor allem an Schulen aktiv, aktuell fokussiert der Verein stärker auf mobile Projekte. „Gesund und kreativ“ sei ein Pilotprojekt, erklärt Vereinschef Onur Bakis. Von Jänner bis Juni wurden kostenlose Workshops für die Kids im Stadtwerk Lehen angeboten – vom Graffiti-Sprayen über urbanen Tanz bis zu Fotografie und Video.

Auch im „Ikuna“-Naturresort waren sie, einem Freizeitpark in Oberösterreich, wo die „Stadtkinder“ die Natur erleben konnten. Unterstützt hat den Ausflug das Unternehmen Biogena, mit dem Bakis ebenso zusammenarbeitet wie mit dem Hilfswerk, dem Verein Spektrum und dem Stadtwerk-Verein.

Jasmina und Jocelyn nahmen an allen Workshops teil: „Es hat viel Spaß gemacht. Die meisten von uns hier werden nicht genug gefördert. Wir brauchen diese Abwechslung.“ Andere Jugendliche hingen im Europark ab, doch dafür brauche man Geld. Die wenigsten in der Siedlung könnten sich das leisten.

Die beiden Mädchen finden es gut, dass man durch dieses Projekt seine Talente entdecken könne. Scheu, vor aller Augen zu tanzen, haben die beiden nicht. „Wir versuchen andere zu motivieren, das auszuprobieren und nicht nur vorm Handy zu sitzen“, sagen sie.

Talente fördern und Anreize zum Aktivwerden geben

„Wir versuchen, mit Kunst und Kultur der Kriminalität entgegenzuwirken. Wir wollen mit Workshops Impulse setzen, damit die Kinder selbst aktiv werden – so wie Jasmina und Jocelyn mit ihrer Tanzgruppe“, sagt Bakis. Er selbst ist als Kind aus der Türkei eingewandert, lebt heute mit seiner Frau in Freilassing. Auch dort arbeitet er mit Jugendlichen, darunter viele Flüchtlinge.

Das Projekt im Stadtwerk Lehen ist jetzt in Sommerpause, wird evaluiert und im Herbst nach Möglichkeit wieder aufgenommen. Bakis ist kein Sozialarbeiter, er sieht sich als Kulturbotschafter, der Welten zusammenbringt. Denn: „Es ist in unserer Gesellschaft nicht nur Generationen übergreifendes, sondern sehr viel multikulturelles Verständnis nötig.“

Von Petra Suchanek

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