Türken: Man bleibt sich fremd

Ein englischer Historiker nennt die Migration und die durch sie ausgelösten Verwerfungen die Revolution des 21. Jahrhunderts.

Das Thema hat die Kraft, Europa in den alten Nationalismus zurückzukatapultieren – oder zu etwas Neuem, Besseren zu transformieren. Österreich hat mehrere Zuwanderungswellen erlebt und steht nun vor großen Herausforderungen, weil große Migrantengruppen und die Mehrheitsgesellschaft einander in Wahrheit fremd sind.

Insbesondere das Verhältnis zwischen Türkischstämmigen und Einheimischen ist kein entspanntes. Missbehagen und gegenseitige Vorwürfe prägen die Stimmung. Dass viele Türkischstämmige ehrgeizig nach Ausbildung und beruflichem Erfolg streben, wird kaum wahrgenommen, weil diese Menschen nicht laut und auffällig sind.

Ein anderer Teil verharrt jedoch in traditionellen Strukturen und schottet sich ab. Das Ansinnen, sich anzupassen, empfindet man als Aufgabe der eigenen Identität, ja als Angriff auf die Muslime.

Erdogans türkisch-nationalistische Propaganda wirkt extrem spaltend. Fast schon wünscht man sich verpflichtende Zusammenkünfte, um die Kluft zwischen Österreichern und Türken zu überwinden. Wer einmal bei Türken zu Gast warm, weiß, dass das sehr nett sein kann.

Von Sonja Wenger