Lasst die Schwangeren in Ruhe!

Vor Kurzem hab ich auf Instagram ein Bild gesehen von Babygewand, das eine werdende Mama gepostet hat.

Wie schön da die kleinen Strampler auf kleinen Bügeln in einem kleinen Schrank hängen! Und mein erster Gedanke war: Jaaa, so sieht es aus – BEVOR DAS CHAOS KOMMT! Ich hab das aber nicht hingeschrieben. Weil solche Kommentare zwar als Witze getarnt, in Wahrheit aber gehässig und dumm sind.

Ich plädiere dafür, die Schwangeren in Ruhe zu lassen. Hört auf damit, ihnen bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben, dass ihr alles besser wisst. „Das wirst du dann schon noch sehen“ ist herablassend und einfach nicht angebracht. Niemand mag Klugscheißer! Und als Schwangere mag man sie noch viel weniger – vor allem, weil man von ihnen umgeben ist.

Karikatur Thomas Selinger. www.seli.at

Jeder erzählt einem was, am liebsten was Negatives, wie unerträglich die Wehen waren, wie schmerzhaft die Kaiserschnittnarbe, dass das mit dem Stillen nicht funktioniert hat und mit dem Schlafen auch nicht, dass der Bauch jetzt immer noch schiach ausschaut und man sich sowieso und überhaupt noch wundern wird.

Und was bringt das, bitte? Nichts, überhaupt gar nichts, denn jede einzelne Mama und jeder einzelne Papa muss und wird diese Erfahrungen sowieso selber machen. Man kann sich nicht vorstellen, wie eine Wehe sich anfühlt, und auch nicht, wie es ist, das Baby zum ersten Mal im Arm zu halten.

Wieso redet man auf werdende Eltern ein wie auf Rinder, die zur Schlachtbank geführt werden und denen zwingend noch klargemacht werden muss, dass ab dann alles, also wirklich alles ganz, ganz anders wird? Warum benimmt sich in der Gegenwart zukünftiger Eltern jeder wie ein Schwangerschaftsratgeber auf zwei Beinen?

Falls diese Eltern in spe etwas wissen möchten, falls sie sich Rat holen WOLLEN, dann werden sie schon fragen! Als meine schwangeren Freundinnen Dinge gesagt haben wie: „Da setz ich das Kind dann hin und es spielt, derweil kann ich ja arbeiten“ oder: „Mir wird das nichts ausmachen, wenn es schreit, ich werde nicht bei jedem Piepser gleich hinrennen“, da hab ich gegrinst, aber nur innerlich.

Nur weil man etwas besser weiß, muss man dieses Wissen ja nicht jedem vor die Füße kotzen wie ein vorgekautes Stück Steak. Derjenige wird es zu gegebener Zeit sowieso selber essen (müssen). Und wird, wenn er oder sie dann mit den vollgespuckten Stramplern, wirren Haaren und brüllendem Baby im Arm im Chaos steht, vielleicht an das schöne Instagram-Bild von damals denken und es in Gedanken selbst kommentieren, hoffentlich grinsend.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin.

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