Hot in the City!

In der Stadt ist die Hitze am ärgsten. Was tun? Und  können  Pflanzen helfen?

38 Grad hatten wir schon einmal in der Stadt Salzburg, 40  sind wohl nur noch eine Frage der Zeit. Warum sie sich in der Stadt  anfühlen wie 50 Grad und wie Pflanzen die Hitze senken können, erklärt Bernhard Niedermoser, Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie in Salzburg, im Gespräch mit dem Salzburger Fenster.

Wie heiß wird in Salzburg der Sommer 2018?

Bernhard Niedermoser: Warm, sonnig, trocken. An einzelnen Tagen ist Regen möglich. Über extreme Hitze kann man nicht viel sagen.  Es kann lange heiß  sein oder lange warm  und dann kommen zwei, drei Tropentage mit 38 Grad. Ein Hitzesommer kann viele Gesichter haben.

Warum ist es in der Stadt spürbar heißer als auf dem Land?

In der Stadt sind viele Flächen versiegelt, es gibt viel Beton und Stein, wenig Schatten und Plätze, die in der prallen Sonne liegen. In der Sonne erwärmen sich diese Oberflächen stark und geben die Wärme an die darüber befindliche Luft ab. Es kommt zum Hitzestau. Weil Beton und Stein sehr viel Energie speichern, bleiben Städte auch in der Nacht sehr warm.

Um wie viel Grad ist es in der Stadt wärmer als auf dem Land?

Im Schatten gemessen, liegt die Temperatur beispielsweise am Flughafen um ein, zwei Grad  tiefer als in der Stadt. Der Mensch hält sich natürlich auch in der Sonne auf. Da fühlt es sich aber gleich um zehn Grad heißer an. Hitze ist bei uns positiv behaftet. Das sollte sie nicht sein.

Warum nicht?

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis  wir in Salzburg 40 Grad im Schatten erreichen. 2013 sind auch in Österreich hunderte Menschen an der Hitzebelastung gestorben. Das Problem sind hauptsächlich die Nächte, wenn es da auch nicht unter 30 Grad geht. Das kann auch auf Salzburg zukommen. Innergebirg fließt die kalte Luft von den Bergen ab in die Täler.

Wie kann man eine Stadt kühlen?

Man sollte  mehr Schatten erzeugen. Durch die Anordnung der Bauobjekte. Auch durch Markisen und Rollos. Schattenflächen erzeugen kühle Luft, die mischt sich mit der warmen Luft und es entsteht Wind. Helle Flächen erwärmen sich weniger stark als dunkle. Am effizientesten ist es aber, Pflanzen und Wasser in die Stadt zu bringen.

Inwiefern?

Wasser kühlt, weil es verdunstet. Pflanzen absorbieren die Sonne  und bremsen die Erwärmung.

Können sich Stadtbewohner ein eigenes Mikroklima schaffen?

Ja, schon. Man spürt das auch. Je mehr Grünflächen und Pflanzen im Garten, am Balkon oder Fensterbankerl, desto kühler fühlt es sich dort an.

Was trägt das Blumenkisterl zum Stadtklima bei?

Viele solche grünen Inseln können die Temperatur in der Stadt gemeinsam um ein Grad senken.  Wichtig ist dabei, auch Dächer zu begrünen und, wenn ein Haus geschliffen wird, Grünkorridore anzulegen. Das kühlt einen Stadtteil immens.

Wie soll sich Salzburg angesichts steigender Temperaturen rüsten?

Ich würde mir wünschen, dass die Stadtplanung das Thema Hitze stärker berücksichtigt. Man sollte noch bestehende Grünflächen nicht verbauen, sondern erhalten und zusätzlich noch neue schaffen. Dasselbe gilt für offene Wasserflächen. Beide haben einen gewaltigen Kühleffekt auf die Stadt. Von Vorteil ist es auch, in die Höhe zu bauen.

Hochhäuser können kühlen?

Ja, weil man damit mehr Schatten schafft. Außerdem haben es die Leute in den oberen Stockwerken kühler als die unten in der bodennahen warmen Luft.

Von Sabine Tschalyj