Sonne speichern – mit Johanniskraut

Wer eine Johanniskrauttinktur ansetzen will, zieht am besten jetzt die Wanderschuhe an.

Johanni ist ja auch schon wieder vorbei. Es ist also Zeit, an das Johanniskraut zu denken. Ich bin gleich in den Garten gegangen, hab nachgeschaut und wirklich: Es beginnt gerade die Blüten zu öffnen und leuchtet mir entgegen. Sein Strahlen signalisiert Kraft und Stärke, und gleichzeitig sind seine Blütenblätter zart und verletzlich. Früher habe ich mich beim Wandern oft gefragt, ob ich wohl am echten Johanniskraut vorbei gehe?

Das Johanniskraut macht uns lichtdurchlässiger. Das kann sogar soweit gehen, dass wir leichter einen Sonnenbrand kriegen. Doch wenn wir die frische Pflanze verwenden und daraus einen Tee oder eine Tinktur bereiten, besteht da wenig Gefahr.  So entsteht die Johanniskraut Tinktur: An einem sonnigen Tag die Wanderschuhe anziehen und ein Stück rauf auf den Berg. Denn da wo die Pflanzen ganz von selbst wachsen, taugt es ihnen am allerbesten und da sind sie dann auch am gehaltvollsten. Die frischen Knospen und Blüten quetsche ich ein wenig, damit das rote Hypericin heraus kann. Dann setze ich sie in einem Glas mit etwa 40-prozentigem Schnaps an. Den Ansatz stelle ich immer an mein ostseitiges Küchenfenster, so lange, bis er tiefrot ist.  Danach seihe ich ihn ab und fülle die Tinktur in eine dunkle Flasche.

Dann kann sie kommen, die dunkle Jahreszeit. Ich habe ja das Glück, dass ich wenig Sonne und wenig Licht brauche, mir ist das schnell zuviel mit der Helligkeit. Aber ganz oft treffe ich im Winter Menschen, denen die in der Tinktur gespeicherte Sommersonne die Gedanken erhellt. Wie das Johanniskraut das schafft, dass Serotonin und noch vier andere Botschafter des Nervensystems im synaptischen Spalt länger wirken, weiß ich auch nicht. Aber es macht seine Arbeit gut!

Tipp: Von 28. bis 30. Juni finden in der TEH Akademie in Unken „Heilsame Tage“ statt. Der Schwerpunkt:
Fermentierte Lebensmittel. Info: Mobil: 0664/886 780 05, Mail: akademie@teh.at