Wenn Räder schnell wie Mopeds sind

E-Bikes boomen, doch die erlaubten 25 km/h sind vielen zu wenig. Stärkere Typen brauchen Moped-Zulassung. Schwächere werden auffrisiert. Obacht auch im Urlaub!

Eine halbe Million E-Bikes sind laut VCÖ (Verkehrsclub Österreich) aktuell in Österreich unterwegs, 120.574 Stück wurden 2017 verkauft, das ist neuer Rekord. Mancher nimmt das Elektrorad mit in den Urlaub. Da ist Vorsicht geboten, in der EU ist das E-Biken nicht einheitlich geregelt, warnt der ÖAMTC.

Österreich hat bei der Motorleistung mit 600 Watt die höchste Toleranzgrenze, im Ausland sind oft maximal 250 Watt erlaubt – so auch in unseren Nachbarländern Deutschland, Tschechien, Slowenien, Kroatien und Italien. Da gelten Räder über 250 Watt als Mopeds und brauchen eine Zulassung. Es muss nicht immer Urlaub sein: Wer von Salzburg mit dem E-Bike auf ein Eis nach Freilassing radelt, fährt mitunter nicht gesetzeskonform.

E-Bikes laufen dem Rad langsam den Rang ab. Starke Elektroräder gelten als Kraftfahrzeug, das bringe den Radlern Nachteile, kritisieren Händler. Foto: Heinz Bayer

Schnelle E-Bikes brauchen auch bei uns Zulassung

Eine Zulassung benötigt man in Österreich nur für S-Pedelecs, das sind stärkere Elektroräder, die bis zu 45 km/h fahren. Der Salzburger Radhändler Wagner verkauft viele dieser Bikes. Sportler und Pendler, die über Land fahren, greifen gern zu S-Pedelecs, weiß Geschäftsführerin Sibylle Wagner.

Denn 25 km/h bringt ein Sportler schon mit „normalem“ Fahrrad zustande. Dass man für S-Pedelecs eine Zulassung, Motorradhelm etc. braucht, darauf werde beim Verkauf hingewiesen, betont Wagner: „Bei uns muss der Kunde auch ein Übergabeprotokoll unterschreiben, wir nehmen das sehr genau.“ Ob dieser die Zulassung tatsächlich macht, liegt in dessen Verantwortung.

Zwischen Sollen und Wollen geht die Schere weit auseinander, weiß ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl: „Es sind viele S-Pedelecs in Österreich verkauft worden, aber nicht viele zugelassen.“ Schließlich fallen mit der Zulassung viele Vorteile weg, die ein Rad im Straßenverkehr hat. Es wird wie ein Moped behandelt (das noch dazu billiger ist): Man braucht Nummerntafeln, Haftpflichtversicherung, Mopedführerschein (falls man keinen fürs Auto hat), darf Radwege nicht nutzen, muss Helm tragen, darf nur 0,5 Promille (Radfahrer: 0,8 Promille) im Blut haben. Da radeln viele lieber illegal.

Um zu vertuschen, dass es sich um ein S-Pedelec handelt, werden Kennzeichenhalter und Rückspiegel oft abmontiert, weiß Kerbl, denn die Räder unterscheiden sich optisch kaum von schwächeren E-Bikes. Sibylle Wagner findet die aktuelle Gesetzgebung daher unsinnig, sie gehöre angepasst, so ihr Appell.

Radhändlerin Sibylle Wagner klärt ihre Kunden auf, dass die starken S-Pedelecs eine Zulassung brauchen. Wer sich jetzt fragt, wo das E-Bike ist: Der Akku ist verbaut, man sieht ihn nicht. Bild: Suchanek

E-Bikes auffrisieren, damit sie mehr als 25 km/h fahren

In Wien gab es schon eine „Aktion scharf“ der Polizei, nicht nur wegen der S-Pedelecs, sondern weil herkömmliche E-Bikes oft auffrisiert sind, damit sie schneller als die erlaubten 25 km/h fahren. Im Internet werden für wenig Geld verschiedene Tuning-Kits angeboten, die man leicht selbst montieren kann.

Da gibt es Add-On-Drehzahlsensoren, die dem Rad vorgaukeln, dass es um die Hälfte langsamer fährt. Der Tacho zeigt 25 statt der tatsächlichen 50 km/h. Dann gibt es antriebsspezifische Systeme, welche die Elektronik umprogrammieren. Der automatische Stopp der Motorleistung bei 25 km/h wird ausgehebelt (Tacho zeigt richtige Geschwindigkeit). Dazu gibt es Handy-Apps, die das Bike auf normale Funktion schalten, falls man die Polizei erblickt.

Tricksen kann man leicht, aber „Gnade einen Gott, wenn ein Unfall passiert, da wird es unangenehm“, sagt Kerbl. Außerdem tue das Tunen dem Rad nicht gut: Antrieb und Mechanik würden früher kaputt, die Reichweite gehe runter, man komme nur halb so weit, wenn man doppelt so schnell fährt, so der Techniker.

Bei Downhillstrecken sollte man fragen, was erlaubt ist

Wird man mit einem getunten Bike oder einem nicht zugelassenen S-Pedelec erwischt oder hat einen Unfall, kann das teuer werden, bestätigt ÖAMTC-Juristin Martina Schlegel-Lanz: „Das kann zu Verwaltungsstrafen verschiedenster Art führen. Fahren ohne Lenkerberechtigung ist ein schwerwiegendes Delikt. Wird jemand verletzt, kann das strafrechtliche Konsequenzen haben, bei Sachschäden zivilrechtliche.“

Bei den E-Mountainbikes stellt sich die Zulassungsfrage übrigens nicht, solange man offroad unterwegs ist, weil auf privatem Grund die StVO nicht gilt. Man sollte sich aber beim Betreiber von Downhillstrecken etc. erkundigen, was erlaubt ist. Bei manchen darf man nur runterfahren, bei anderen auch den Berg hinauf.

Wer mit einem in Österreich erlaubten E-Bike über 250 Watt ins Ausland fährt, sollte eine Privat-Haftpflichtversicherung (oft in der Haushaltsversicherung inkludiert) haben und den entsprechenden Nachweis mitnehmen.

Von Petra Suchanek