Stau in der Stadt: Bis in alle Ewigkeit?

Verkehrssystem am Limit. Und da und dort wird herumgedoktert.

Das System arbeitet total am Limit. Schon kleine Ursachen lassen den Zentralraum bis weit in den Flachgau im Stau versinken. Zuletzt waren es ein paar falsch dimensionierte Betonrampen auf der Westautobahn.

Den Verkehr verwalten

34 Millionen Kraftfahrzeugen donnern jährlich über die Stadtautobahn, die Strecke gehört zu den am stärksten befahrenen Straßenabschnitten Österreichs. Zwar betreibt die Asfinag ein durchaus professionelles Verkehrsmanagement – allerdings seien gewisse Situationen „schlicht und ergreifend nicht mehr regelbar“, meint Verkehrsstadtrat Johann Padutsch. Warum die Autofahrer nicht auf die Barrikaden steigen? Weil das  automobile Stehdesaster bis zum nächsten Mal schon wieder vergessen ist.

Verkehrsbremser mag keiner

Obwohl die urbanen Ballungsräume im Verkehr ersticken, scheuen sich die Entscheidungsträger vor klaren Entscheidungen. „Es wird herumgewurschtelt. Wer den Individualverkehr reduzieren will, macht sich nicht zum  Sympathieträger“, meint der Grüne Padutsch. Seine Idee einer Stadtmaut hat er längst abgehakt. Man wolle darüber nicht einmal diskutieren. Die gesamtstädtische Parkraumbewirtschaftung ist indes noch nicht ad acta gelegt. Sie scheiterte, mit Blick auf die Pendler, am Widerstand der Landesregierung. Nun, nach geschlagener Wahl, hofft Padutsch, „dass man   darüber wieder entspannter reden kann. Die Maßnahme würde den Pendlerverkehr sehr effizient reduzieren.“

Staugruppe tagt halbjährlich

Der Jahrhundertstau am 3. Oktober 2016 (Tag der deutschen Einheit) hat zu Nachbesserungen im Regionalverkehr geführt. Der Schwung, der die damaligen Krisentreffen begleitete, hat sich freilich verflüchtigt. Die Stadt-Land-Arbeitsgruppe „Stau“ tagt halbjährlich und erhebt gerade, „wie viele Leute die zusätzlichen Busse und Eilkurse von Straßwalchen, Obertrum, Mondsee und Elsbethen nutzen“, sagt Mitglied, Landesbaudirektor Christian Nagl. Es zeige sich: „Das wird sehr gut angenommen.“

„Wir steuern einige Ampeln“

Und sonst? Auf der Homepage stellt das Land Verkehrs- und Stauinformationen in Echtzeit („StauFux“ App des Forschungsinstituts Salzburg Research), auch das Mobilitätskonzept ist nachlesbar, die jüngsten Daten zum Modal Split (Verkehrsmittelwahl) stammen aus  2012 . Zudem steuere das Land ein paar Ampeln an Busspuren außerhalb des Stadtgebiets und bei der Abfahrt Hagenau, so Baudirektor Nagl. Eine eigene Verkehrsmanagementzentrale – wie etwa Bayern oder Hessen sie haben – brauche man in Salzburg nicht, meint Nagl.

Es funktioniert grenzwertig

Das Herz der Verkehrssteuerung der Stadt ist ein Rechner im Straßen- und Brückenamt. An ihm hängen die wichtigsten Ampelanlagen. Sie regeln Knotenpunke, die laut Johann Padutsch ebenfalls nur noch grenzwertig funktionieren. „Kreuzungen an der Rudolf-Biebl-Straße, Ignaz-Harrer-Straße  sind weit über ihrer  Leistungsfähigkeit. Wenn man hier die Grünphase nur um drei Sekunden ändert, hat man Staueffekte bis weit über den Knoten hinaus.“

12 Leute, die beobachten und reagieren

Die prosperierenden Ballungsräume bräuchten neue Modelle für den Verkehr, sagt der Halleiner Softwareentwickler und Mathematiker Andreas Kuhn, Inhaber der Firma Andata, die das autonome Fahren weiter entwickelt (Connecting Austria). „Keine Stadt hat ein Verkehrsmanagement im Sinne einer eigenen Stelle mit zehn bis zwölf Leuten, die ständig beobachten und sofort reagieren. Solche Organisationsstrukturen sind in keinem Gesetz  vorgesehen.“ Der Verkehr sei ein komplexes System. Es gebe „die eine, einfache Killermaßnahme, die alles löst“, leider nicht.

Sonja Wenger

 

118.400 Fahrzeuge bei der Abfahrt Klessheim

Das zählt die Zählstelle der Asfinag im Schnitt an Freitagen. 2012 waren bei Klessheim/Siezenheim im Schnitt noch 88.150 Fahrzeuge unterwegs. Wenn auf der A1 ein Sommerloch herrscht, geht es auf der A10 richtig ab.
34 Millionen Fahrzeuge donnern jährlich über die Stadtautobahn. Der Urlauberverkehr ist an den Wochenenden Ende Juli, Anfang  August laut Polizei am stärksten. An Donnerstagen kann sogar die Schranne ein Verkehrschaos auslösen, sagt Polizeioberst Friedrich Schmidhuber.