Schlange in Sicht? Schau ihr in die Augen …

Angst vor Schlangen? Ob giftig oder nicht, verrät ihr Blick. Welche Arten bei uns heimisch sind, und wie man sie erkennt.

Nicht nur wir Menschen, auch Schlangen lieben wie alle Reptilien die wärmende Sonne. Eben war Paarungszeit, die ersten Jungtiere sind bereits geschlüpft. Deshalb hat man jetzt gute Chancen, eine Schlange zu sehen. Chance deshalb, weil es nicht viele gibt.

„Alle heimischen Reptilien sind per Gesetz geschützt. Wir haben vier Schlangenarten in Salzburg, sie stehen alle auf der Roten Liste“, sagt Peter Kaufmann, Reptilien-Experte am Haus der Natur. Man dürfe sie weder stören noch fangen, vom Töten ganz zu schweigen.

  • Die Schlingnatter ist selten, das Haus der Natur erfasst sie gerade in einer Studie. Foto: Peter Kaufmann
  • Die Kreuzotter ist die einzige Giftschlange, die in Salzburg heimisch ist. Foto: Peter Kaufmann
  • Die Ringelnatter ist die Nixe unter den Schlangen. Foto: Peter Kaufmann
  • Die Äskulapnatter ist ein hervorragender Kletterer. Sie kraxelt auf Bäume. Foto: Peter Kaufmann
  • Die Blindschleiche wird oft mit Schlangen verwechselt, zählt aber zu den Echsen. Foto: Peter Kaufmann

 

Die Kreuzotter, die vor allem im Gebirge und eventuell noch in Moorgebieten wie in Bürmoos vorkommt, ist die einzig giftige Art im Bundesland. Schling-, Ringel- und Äskulapnatter machen das Salzburger Quartett vollständig, sie sind wie alle Nattern ungiftig. Das ändert nichts daran, dass viele Menschen Angst vor ihnen haben. Doch: Schlangen sind meist friedfertig, sie beißen nur in Notfällen.

Das gilt auch für die Kreuzotter. „Die meisten Bissunfälle sind an den Händen, weil Menschen die Schlangen angreifen oder sie fangen wollen. Bisse durch versehentliches Draufsteigen sind seltener als angenommen“, sagt Kaufmann. Das Gift der Kreuzotter diene ihr zum Nahrungserwerb, jeder Biss bedeute für sie Stress, weshalb sie nur in Notwehr zubeiße. Sie fürchten den Menschen mehr als dieser sie.

Ob eine Schlange giftig ist oder nicht, erkennt man an ihrem „Blick“. Wie alle Vipern hat die Kreuzotter, zu deren Familie sie gehört, schlitzförmige Pupillen – man denke an die Augen von Krokodilen. Die Pupillen der Nattern hingegen sind rund.

Studie zu Schlingnatter läuft, Bevölkerung hilft mit

An den Salzachauen von Werfen nordwärts fühlt sich die vorwiegend in Italien und am Balkan beheimatete Äskulapnatter wohl. Auch um das Anifer Waldbad findet man sie, oft am Treppelweg – von Radfahrern totgefahren. Mit bis zu zwei Metern Länge hält sie den Größenrekord unter Salzburgs Schlangen. Man erkennt sie an ihrer olivgrünen Farbe, die Schuppen haben kleine weiße Ränder. Eine Besonderheit zeichnet sie aus: Sie ist eine ausgezeichnete Kletterin, räumt in den Bäumen gern Vogelnester aus.

Am häufigsten trifft man in Salzburg aber die Ringelnatter an. Meist sieht man sie in der Nähe von Gewässern. Man erkennt sie leicht an den hellen Flecken am Hinterkopf (Halbmond). Es gibt – wie bei der Kreuzotter – allerdings auch schwarze Exemplare. Die Schlingnatter wiederum sei sehr selten bei uns, weiß Peter Kaufmann, sie wird aufgrund ihres (unterbrochenen) Zickzack-Musters oft mit der Kreuzotter verwechselt.

Das Haus der Natur hat gerade eine landesweite Studie laufen, es bittet die Bevölkerung um Mithilfe: Wer eine Schlingnatter sieht, fotografieren (Handy) – dabei nicht zu nahe kommen, falls es sich um eine Kreuzotter handelt – und das Foto samt Datum und Fundort per Email an peter.kaufmann@hausdernatur.at senden. Sichtungen von anderen Schlangen sind ebenfalls erwünscht, sie werden in die Datenbank aufgenommen.

Wer Angst vor diesen Reptilien hat oder sie in freier Wildbahn sehen will, der kann an einer der vom Haus der Natur geleiteten Exkursionen teilnehmen. Zuletzt habe man am Trattberg fünfzehn Kreuzottern gesehen, so viele wie noch nie, freut sich Kaufmann.

Von Petra Suchanek