Obauer light als kulinarische Einstiegsdroge

Der Tanz der Aromen – zu Mittag oder schon am Morgen.

Nun gibt es Menschen, die ein wenig Scheu haben, Salzburgs seit Jahrzehnten bestbewertetes Restaurant, also Obauer in Werfen, auf ein Abendmenü zu besuchen. Macht es so viel Spaß wie es Geld kosten wird? Der Vorkoster möchte diesen Zweiflern zwei Wege zeigen, die großes Vergnügen bieten ohne das große finanzielle Risiko. Obauer light sozusagen als „Einstiegsdroge“.

Frühstücken wie ein Kaiser

Frühstück (€ 38 pro Person) – das ist ein ebenso elegant wie verlockend gedeckter Tisch im Restaurant. Gepaart mit dem Versprechen, niemand muss für irgendetwas aufstehen, alle Köstlichkeiten werden serviert. Schon vorhanden: Ein Glas Vitaminsaft, das sofort durch einen Kelch mit wunderbarem Gemüsesaft ergänzt wird. Kaffee kommt in silberner Kanne, natürlich so viel man will, Tee als Eigenexport aus Indonesien, angenehm fruchtig im Aroma. Es gibt Brot und Weißgebäck, ebenso ohne Obergrenze. Wurst und Schinken vom Feinsten drängen sich auf einer Platte, ebenso vielerlei Käse – lange aß der Vorkoster mehr keinen Brie von derartig schmelzender Intensität. Gute Marmeladen nicht zu vergessen. Wobei das alles nur der Rahmen ist für Gang um Gang gereichte Mini-Gerichte.
Da kommt ein wachsweiches Ei in Kresse-Schaum, vollmundig kontrastiert mit bitter, dazu als frische Ergänzung bester Spargel. Dann ein gedämpftes Filet vom Alpenlachs auf Gurke und Mozzarella, wieder so eine wunderbare Kombi sanft-fruchtig, in prächtigstem Sud aus Liebstöckl-Essenz.
Dann, ganz klassisch, ein Kalbsrahmgulasch, wo hat man das jemals so perfekt bekommen? Joghurt noch, angerichtet mit Rhabarber, und quasi als Dessert, eine süßsanfte Pfirsichcreme und ein Kuchen, gewürzt wie Linzer Torte, nur unendlich saftiger. Das alles gekrönt mit einem Glas Rosé-Sekt, blitzsauber-trocken, vom Kloster am Spitz. Den ganzen Tag konnten wir von der Erinnerung an die Aromen zehren.

Da knallt nichts

Anderntags hatten wir Wetterglück zu Mittag, saßen im hübschen Garten unter einem Sonnenschirm. Um 38 Euro bekommt man drei Gänge in maxi. Das heißt, auch dies Mahl begann mit Happen (Gedeck, € 5 extra): fünf Löffelchen Allerlei, danach ein Tellerchen mit einer Brokkolisuppe auf Apfel oder einem Stückchen Räucherforellen-Wurst auf Orange, angenehm stimmig (dazu ein paar süße Happen zum Abschied). Eine Sulz kam, Hering gerollt süßsauer auf frischem Apfel, ganz toll, dazu ein sanftes Saiblingsfilet, süß-bitter auf Quitte, breit-fett eine Störcreme. Der gesottene Tafelspitz hernach zerging unter der Gabel, Gerstl mit Tomaten und Oliven im mollig-fruchtigen Streit, Bachkresse als Bitter-Spitze. Oder man nahm gedämpfte Lachsforelle aus dem Bluntautal, nochmal so ein sanfter Ton, neben Nudeln, aufgepeppt mit frischbitteren Radieserl-Stifterl. Zum Schluss Rhabarber in einem feinen Teig samt Minzcreme und Marzipan samt Curcuma-Eis. Wieder so ein Tanz verschiedenster Aromen, die wunderbare Stärke obauerischer Küche. Da knallt nichts, explodiert nichts, da schmeckst du ganz still den Harmonien nach. Große Küche.
Am Abend kleiden sich die Gäste eleganter, die Kost ist eine Spur raffinierter, Weine schmiegen sich an die Speisen. Obauer light gibt eine Ahnung davon, wie erfüllend so ein großes Mahl sein kann. (Keine Bewertung)
Obauer, Markt 46, 5450 Werfen, Tel. 06468/52120,
www.obauer.com.