Machen Sie sich die Finger schmutzig!

Meine Kinder sind manchmal echt dreckig. So richtig, richtig dreckig, mit Sand in den Schuhen und Grasflecken auf den Knien …

… undefinierbaren Schlieren auf den Wangen und schwarzen Fingernägeln. Und falls Sie jetzt denken, ich würd mich drüber echauffieren wollen, weit gefehlt: Ich find das super. So gehört sich das. Was ist das für eine Kindheit, bitte, in der man nicht draußen rumtoben, im Gatsch wühlen und sich vollständig einsauen darf?

Karikatur Thomas Selinger, www.seli.at

Immer wieder hör ich am Spielplatz dünne Mamastimmchen: „Eleonora-Marie, nicht da rein, sonst wirst du ganz schmutzig!“ Herr im Himmel, würd ich da gern sagen, hättest du ihr halt kein helles Kleid angezogen, du Nudelaug von einer Mutter, und hast du keine Waschmaschine?

Bei mir zuhause gab es ein Schafferl an der Tür unten, da mussten wir unser gesamtes Gewand reingeben, bevor wir rauf ins Haus gingen, und die Tage, an denen das nötig war, weil noch Erdklumpen und Spinnweben dranhingen, die waren doch die geilsten. So manche Mama würd dabei heut aber eher einen Herzinfarkt als einen Lachanfall bekommen.

„Wir haben den Dreck aus unserem Leben verbannt“, sagt dazu der US-Wissenschaftler David Whitlock, „wir sind bei Weitem nicht mehr so viel draußen in der Natur wie früher.“ Kurios an dem Chemiker ist, dass er seit über einem Jahrzehnt nicht mehr geduscht hat. Er stinkt aber, so wird es zumindest von seiner unmittelbaren Umgebung bezeugt, nicht. „Niemand hat bisher Menschen, die jeden Tag unter die Dusche gehen, wissenschaftlich untersucht“, so Whitlock.

„Woher stammt also die Annahme, dass das gesund ist?“ Hygiene betreibt er mit Bakterien, die im Boden vorkommen. Sie neutralisieren angeblich die schädlichen Stoffe auf der Haut und schützen vor Entzündungen. Die Idee dazu hatte er, als er Pferden dabei zugesehen hat, wie sie sich im Dreck wälzen, um ihr Fell zu pflegen.

Da kommen meine Kinder und Whitlock den Pferden inzwischen recht nah: Sie wälzen sich alle im Dreck. Ich wasch meine Kinder danach aber ehrlich gesagt trotzdem ab – mir kommt nämlich vor, sooo gut riechen die jetzt nach einem Nachmittag auf dem Spielplatz nicht. Aber wie sagt schon der Volksmund: Ein bisserl Dreck ist gesund, das härtet ab, und vielleicht ist da ja was dran.

David Whitlock hat übrigens einen Spray entwickelt mit dem Namen „Mother Dirt“, also Mutter Dreck, den man statt Shampoo und Duschbad verwenden kann. Das können Sie ja mal ausprobieren – oder einfach mit Ihren Kindern draußen spielen.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin.