Neue Lokale geben Grätzl urbanen Chic

Die Gastro-Szene um die Priesterhausgasse floriert. Das freut Bauch wie Seele.

Den Pollern sei Dank! Das muss einmal gesagt werden. Wo früher Blech die Gassen verstopfte, entspannt man heute in Gastgärten. Da kommt Urlaubsstimmung auf, noch dazu, wo in der Priesterhausgasse Kuba und Mexiko auf wenigen Metern zusammenfinden. Neben der Cocktailbar „Havana“ eröffneten im März nämlich „Die Cabreras“.

Abraham Cabrera und seine Frau Eva servieren original mexikanische Küche in ihrem kleinen, aber feinen Lokal „Die Cabreras“. Foto: Suchanek

Beim Geschmack geht Chef Abraham keine Kompromisse mit dem europäischen Gaumen ein, er kocht wie zuhause, also traditionell mexikanisch. In der offenen Küche lässt er sich über die Schulter schauen. Die Schoko-Chili-Sauce „mole“ etwa ist typisch für die Region Oaxaca, sie köchelt 72 Stunden, bevor sie fertig ist.

Die Guacamole kommt im echten Lavamörser auf den Tisch, die Maistortillas, Basis für Quesadillas und Tacos, stammen aus Mexiko, ebenso wie die Schnäpse Mezcal und Tequila.

In einem kleinen Shop gibt es diese auch zum Mitnehmen, zudem Salsas und Kunsthandwerk (Die Cabreras führten zuvor ein Geschäft am Ursulinenplatz).

Die Einrichtung ist gemütlich, auf mexikanischen Kitsch wird verzichtet. Postkarten entlang der Küche zeigen lokale Händler in Mexiko, von denen Abraham und seine Frau Eva ihre Produkte beziehen.

Gegessen werden Tacos und Quesadillas übrigens mit den Fingern, daran müssen sich manche Gäste erst gewöhnen, lacht Eva, die oft Besteck nachreicht.

Ko & Co: Tafelspitz im Burger

So klein die Gasse, so groß die die kulinarische Vielfalt: Tafelspitz im Vintschgerl, dazu Kümmelpommes und Schnittlauch-Jungspinat-Dip – ein Klassiker der österreichischen Küche im Burger-Look, das hat Pfiff. Serviert wird er in der Ko & Co-Kocherei, die im November in der Priesterhausgasse eröffnete.

Michael Rodler möchte mit dem Ko & Co den jungen Städtern die österreichische Küche wieder schmackhaft machen – auch mittels minimalistischem Design und hipper Musik. Foto: Suchanek

Das Design ist minimalistisch, aus den Boxen kommt chillige Loungemusik. Pächter Michael Rodler und seine Frau Nicole Puckmayr führen seit drei Jahren den „Fidelen Affen“ nebenan. Sie möchten das Ko & Co als dessen junges Pendant etablieren.

Denn: „Die Jungen gehen heute zu Dönerbuden, essen Take-Away. Wir wollen sie wieder für die heimische Küche und das gemeinsame Essen am Tisch begeistern“, sagt Michael Rodler.

Da muss der Coolness-Faktor passen, deshalb gibt es im Ko & Co auch „Straßenküche“ wie Kaskrainer und gebratener Leberkäs’. Eine Referenz an Omas Küche sind Wiener Schnitzel, Paprikahendl und Backhendlsalat. Wer’s leichter mag, ist mit Lachstartar und Avocado-Karottensalat gut bedient.

Ein Pub als Whiskey-Mekka

Ums Eck in der Lederergasse eröffnete der Ire Chris O’Shea im Oktober das Salzburg Whiskey Museum. Das Pub ist urgemütlich, neu sieht hier zum Glück nichts aus. Aus bis zu 300 Whiskeysorten kann man wählen, auf Wunsch führt Chris in einem abgetrennten Teil Whiskeyverkostungen für Gruppen durch.

Der Ire Chris O´Shea führt in seinem Pub in der Lederergasse auch Whiskeyverkostungen durch. Und serviert neben irischem Bier auch selbstgebrauten Gin. Foto: Suchanek

Auch jene, die Whiskey nicht mögen, finden hier den richtigen, lacht er. Wer sich gar nicht überzeugen lassen will, der ist beim selbstgebrauten Gin bestens aufgehoben (Tipp: Watermelon Gin Tonic). Klar, dass in einem Irish Pub Guinness, Kilkenny & Co. nicht fehlen.

Chris räumt auch mit einem Klischee auf: Wer denkt, Whiskey sei nur für Männer, der irrt. Aktuell hätten in der Whiskeywelt Frauen die Nase vorn. Und: Whiskey habe null Kalorien, zwinkert Chris.

Er will keine aggressiven Betrunkenen, sondern gute Stimmung, dafür stimmt er auch mal selbst ein Lied am Piano an. Auch Frauen, die allein fortgehen, sollen sich hier wohlfühlen (Einlass ab 21 Jahren).

Bagels & Co. im Coffee Press

Was das Fortgehen betrifft, ist die Bergstraße mit den belgischen Bierlokalen (Alchimiste, Beffa Bar) längst ein Hotspot für das studentische Publikum. Neben dem Alchimiste eröffnete im Jänner ein Café, das Coffee Press.

Dale, Nicole und Ray im Coffee Press in der Bergstraße, das vom Salzburg College geführt wird. Da wird die österreichisch-amerikanische Freundschaft auch am Teller zelebriert. Foto: Suchanek

Geführt vom Salzburg College, das US-Amerikaner unterrichtet, dient es diesem als Cafeteria (Selbstbedienung). Die Stimmung ist locker, wer sein Englisch trainieren will, kann das hier. Papierstrohhalme und Recycling-Plastik freuen die Umwelt.

Die Vitrine spiegelt die amerikanisch-österreichische Freundschaft wider, es gibt Sandwiches, Veganes wie Chia-Mandelmilch-Pudding und Mehlspeisklassiker wie Apfelstrudel. Das Mittagsmenü liefert das Priesterhaus-Seminar. Aus der Espressomaschine fließt Kaffee der Privatrösterei Ebner.

Diese Woche werde eine Waffelmaschine geliefert, erzählt Ray. Einfach Häferl mit den Zutaten nehmen, reinleeren, fertig ist die Waffel. So einfach geht’s bei den Amerikanern.

Von Petra Suchanek