Diese Patinnen sind für Kinder ein Glücksfall

Im Lerncafé  helfen 15 Frauen Kindern bei den Schulaufgaben.

Getrampel dringt von der Stiege herauf in die Lerncafé-Räume  in der Plainstraße. Die Kinder sind im Anmarsch. „Schnell die Apfelspalten und die Käsebrote auf den Tisch“, weist Marion Lindinger die Lernpatinnen an. 11 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren kommen in einem Schwung an den gedeckten Tisch. „Ihr habt zehn Minuten Zeit“, erklärt Lindinger. Vielleicht bräuchte es die Information  gar nicht, denn die Mädchen und Buben wissen genau, wie es läuft: Um punkt drei Uhr geht es ans Lernen. Keiner murrt.  Noch an den letzten Apfelspalten kauend und miteinander plaudernd, schnappen sich die Volksschüler ihre Schultaschen.

Deutsch ist der Schlüssel

Sie setzen sich zu dritt an die Tische in den drei Räumen. Jeder legt seine Schulaufgaben vor sich hin. Als sich die Lernpatinnen zu den Grüppchen setzen, haben manche Kinder schon die ersten Rechnungen erledigt oder schreiben Wörter in den verschiedenen Fällen ins Deutschheft.

Deutsch ist der Schlüssel hier im Lerncafé, das die Caritas Salzburg seit fünf Jahren betreibt (auch in Taxham gibt es eines). „Wir sprechen zuhause türkisch“, erzählen Viertklässler Güray und Zweitklässlerin Zeynep. „Meine Eltern kommen aus Tschetschenien“, sagt Ruslan. „Und meine aus Rumänien“, ergänzt Adelina, die meint, sie möge „einfach alle Schulfächer“. Deutsch wird bei fast keinem zuhause gesprochen. Die meisten Eltern können zu wenig Deutsch, um ihren Kindern beim Lernen für die Schule zu helfen. Darum sind sie hier. Die syrischstämmige Ros zum Beispiel. Sie geht zwei Mal wöchentlich aus Lehen hinüber in die Elisabethvorstadt. Die Schulaufgaben macht sie dienstags mit „ihrer“ Anna (siehe Bild). Ros ist  mit dem Einmaleins in Mathematik fertig und fragt motiviert: „Soll ich meine Mappe holen?“ Anna Kerschner nickt. In die Mappen tragen die Patinnen ein, was jedes Kind an jedem Tag im Lerncafé gelernt hat – und wo es noch üben soll.

Patinnen erleben Erfolge

Ab September sucht die Caritas weitere  Freiwillige (Kontakt: Tel. 0676-848210-303).  Geld bekommen die derzeit 15 Lernpatinnen  nicht. „Ich bin  mit meiner Tochter in Babykarenz und wollte etwas Sinnvolles tun“, erklärt Anna Kerschner, warum sie jede Woche einen Nachmittag fremden Schulkindern widmet. Neben der jungen Büroangestellten verdeutlicht die pensionierte Deutsch- und Englischlehrerin Marietta Wiseman drei Mädchen, was das Wort „kitzeln“ bedeutet. Die Mädchen kichern. Was sie antreibt? „Als ich an der Handelsakademie Salzburg unterrichtet habe, hatten wir viele Kinder mit Migrationshintergrund. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr Unterstützung bekommen“, so Wiseman. In den vergangenen fünf Jahren hat sie im Lerncafé  viele Erfolge erlebt. Manche Kinder waren anfangs auf Zeichensprache angewiesen. Wiseman fasziniert: „Nach einigen Monaten konnten sie Deutsch sprechen.“

Ruslan und Güray aus der benachbarten Pestalozzi-Volksschule unterhalten sich schon gut auf Deutsch. Sie streben  nach guten Noten.  „Hier machen wir die Hausübung richtig“, lachen der Tschetschene und der Türke. In drei Wochen steht die letzte Mathematikschularbeit an. Aus Gürays Gesicht blitzt Entschlossenheit, als er sagt: „Da müssen wir noch fest lernen.“ Doch es ist Sparen angesagt. Die Kürzung der Fördermittel im integrativen Bildungsbereich durch die Bundesregierung betreffen auch die Caritas-Lerncafés. Man kann diese mit Geldspenden unterstützen.

Von Sabine Tschalyj

Bildtext: Ros und „ihre“ Anna Kerschner, die jeden Dienstag  Zuwandererkindern  im Lerncafé bei den Aufgaben hilft. Bild: Tschalyj

Spendenkonto: Caritas Salzburg, Raiffeisenverband Salzburg, IBAN: AT 11 3500 0000 0004 1533,
Kennwort: Lerncafés