Kirche startet ein Labor für Kreative

Gründer, die „die Welt  verbessern“, bekommen kostenlos Arbeitsplätze in Top-Stadtlage.

Gerade gab es einen Wasserschaden. „Im ersten Stock blüht  die Mauer“, macht die Pfarrsekretärin Dominik Elmer  aufmerksam. Der junge Leiter der Stadtpastoral  marschiert  in den zweiten Stock der Pfarre St. Andrä. Elmer haucht dem alten Pfarrhaus am Mirabellplatz 5 neues Leben ein. Die Badewanne, bei deren Ausbau ein Wasserrohr geleckt hat,  braucht man nicht mehr: In die bisher vom St. Andrä-Pfarrer bewohnten Räume ziehen  Startups ein.
Damit aus der 100-Quadratmeter-Wohnung der geplante „Room for Vision and Stars“ entsteht, wird derzeit ausgeräumt und geweißelt.

In den parkettierten, hellen Räumen stellt man anschließend Schreibtische und Stühle  der Erzdiözese Salzburg auf. „Einen drei Meter lange Kirchenbank und einen großen Tisch stellen wir in den Besprechungsraum. Vielleicht auch den heiligen Johannes“, schmunzelt Dominik Elmer, während er die nur noch halb erhaltene Figur des Johannes in Augenschein nimmt (siehe Bild). Was ihm besonders wichtig ist? Elmer: „Die Kaffeeküche. Guter Kaffee ist in einem Inkubator das Allerwichtigste.“

Inkubator – so nennt die katholische Kirche ihren neuen Coworking-Place hier im pulsierenden Andräviertel.  Kostenlos können den „Room“ Gründer, die ein Stück weit die Welt verbessern wollen, ab Ende Juni benutzen. Damit ihre Projekte aufgehen, stehen ihnen Fachleute der Erzdiözese als Ansprechpartner zum Themen wie Umwelt, Ehrenamtlichenarbeit oder Organisationsentwicklung und Elmer als guter Geist zur Seite. In Arbeitspausen können sich die Gründer untereinander austauschen oder auf ein Backhendl auf die Schranne gehen.  Die liegt  vor der Tür, genauso wie der Magistrat Salzburg, die Landesregierung und die Wirtschaftskammer gleich ums Eck sind.

Warum vermietet die Erzdiözese eine Wohnung in erstklassiger Zentrumslage nicht  für viel Geld, sondern stellt sie gratis zur Verfügung? Dominik Elmer zieht einen Vergleich: „Gründer scheitern tausend Mal. Wir wollen  ihre Projekte nicht nur fördern, sondern ihnen nach einem Scheitern beim Wiederaufstehen helfen.“ Gesucht werden Projekte, die positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben.  Lösungsvorschläge zu brennenden Themen von Armut bis Umwelt. 6000 Euro „Startgeld“  gewann das Projekt jüngst beim landesweiten  Wettbewerb „Zukunftslabor 2018“.

Von Sabine Tschalyj

(Bild oben: Dominik Elmer und vielleicht auch der hölzerne Johannes heißen im pulsierenden Andräviertel Gründer sozialer Projekte willkommen. Bild: Tschalyj)

Weitere Informationen und Kontakt:

Ende Juni ist eine Auftaktveranstaltung geplant.

Bewerbungen für den „Room“: www.kirchen.net/stadtpastoral