Mailänder Möbelmesse gibt die Trends vor

Es wird wieder bunt: Grün und Orange in vielen Varianten sowie dunkle Farben geben den Ton an.

Was das Wohnen betrifft, so geht für Experten daran kein Weg vorbei: „Die Möbelmesse in Mailand gibt ganz einfach den Ton an“, sagt Einrichtungsspezialist Rolf Treml vom gleichnamigen Möbelhaus in Salzburg, „sie zeigt die Wegrichtung für die nächsten zwei bis drei Jahre, aber auch darüber hinaus.“

Lange Zeit hatte man auf dezente Farben gesetzt – so tief saß offenbar der durch grelle Farben und psychedelische Muster ausgelöste Schock zum Ende des vorigen Jahrhunderts. Nachfolgende Generationen haben diese Erfahrung nie gemacht und sind offensichtlich ganz wild auf ein Revival der damaligen Vorgaben im Hinblick auf Mode und Wohnen. Und die älteren fühlen sich an die guten alten Zeiten erinnert.

Ob ein altes Stück vom Dachboden oder ein auf alt Gemachtes vom Einrichtungshaus – man schafft mit solchen Möbeln Hingucker und verleiht seinem Heim einen individuellen Touch. „Die Kombination aus alt und neu liegt wirklich sehr im Trend“, bestätigt Treml, „dazu gehört auch das Wiederaufleben von Tapete oder Fliesen, sowohl an der Wand als auch am Boden.“ Zurückhaltung ist dabei weniger gefragt als auffällige und lässige Designs. Aber die werden sparsam eingesetzt.

Auffallend zudem: Alles ist erlaubt, Stile werden ganz unkonventionell miteinander vermischt. Und kreativ muss es sein. „Dabei liegt es am Feingefühl des Einrichtungsberaters, aus den Wünsche und Vorlieben der Kunden und etwas gewagteren Vorschlägen die richtige Balance zu finden, bei der sich der Betreffende wiederfindet und wohl fühlt“, so Treml weiter.

Ungewöhnliche Dekoelemente sind wahre Hingucker. Bilder (2): SIM

Möbel und Accessoires mit Geschichte

Speziell bei Tischen, Sofas, Sesseln, Regalen und Schränken sind alte Designs gefragt. Sie sollen den Räumen Charme und Gemütlichkeit verleihen. Bei einem Rundgang auf dem Flohmarkt kann man durchaus das eine oder andere Stück finden, das man nötigenfalls in Schwung bringt oder bringen lässt. Oder man sieht sich auf dem Dachboden bei den Großeltern um.

Je einzigartiger das Stück, umso mehr Aufsehen erzeugt es im Umfeld einer modernen Wohnumgebung. Für viele ist es einfach auch eine Lebenseinstellung, wenn Altes nicht einfach weggeschmissen sondern wieder verwendbar gemacht wird. Einen Standpunkt beziehen in der modernen Wegwerfgesellschaft.

Auch Küchen werden durch altes neu belebt

Küchen haben ja längst nicht mehr nur Funktionszweck. Sie sind zu einem hochwertigen Teil eines Wohngesamtwerkes geworden. „Man merkt einen deutlichen Trend hin zu dunklen Farben“, sagt der Experte, „schwarz, anthrazit, aber auch kupfer prägen das Bild.“

Von den Materialien her beobachtet Treml eine starke Tendenz zum Fichtenholz. Auch Lärchenholz ist beliebt, während sich Eiche und Nuss rückläufig entwickeln. Auch hier wird mit Altem kombiniert. Da reicht schon ein alter Hocker oder Stuhl. Oder eine alte Küchenkredenz. Wie beschrieben, sind auch Küchen- und Kaffeemaschinen bzw. Kühlschränke im Retrostil beliebt. Auch Holzkisten lassen sich kreativ einsetzen, etwa als Regal.
Oft reicht übrigens auch schon ein einziges Stück, wie eine Lampe oder ein Sofa, um einen Raum in einen Vintage-Stil zu versetzen.

Richtig ins Licht gesetzt

Gerade bei Lampen ist der Stil der 60er und 70er sehr verbreitet. Ein auffälliger Lampenschirm, eine (moderne LED-)Glühbirne und geschickt eingesetzte LED-Schienen oder -Bänder an Wänden oder Regalen ergänzen die restliche Einrichtung perfekt. Die Beleuchtung passt man dank moderner Technik an die gewünschte Stimmung an.

Und die eignet sich dann für ein romantisches Beisammensein ebenso wie für eine ausgelassene Hausparty aus den „good old times“.
Bei den Oberflächen werden natürliche Materialien, wie Holz oder Leder, gerne mit Kunststoff kombiniert – ebenfalls in Anlehnung an alte Zeiten. Tonangebend bei den Farben sind neben Grün- und Petroltönen auch Mango, Orange oder sanfte Korallentöne. Ungewöhnliche Dekoteile, wie im Bild links, oder komplexe Elemente waren auf der Mailänder Messe übrigens sehr dominierend.

Von Michaela Pircher