Hollersprudel und seine Mitbewohner

Bakterien im Getränk, igitt? Ganz und gar nicht! Der Hollersprudel ist ein gutes Beispiel für die positive Wirkung selbst gezüchteter Bakterien.

Der Holunder ist ja eine ganz besondere Pflanze. Von der hat fast jeder schon einmal etwas gehört, was mit Gesundheit zu tun hat. Letzte Woche hat der Holler hinter unserem Haus seine Blüten und seinen Duftreigen eröffnet.

Weil ich mich gerade ständig mit fermentierten Lebensmitteln befasse habe ich gleich an den Hollersprudel gedacht. Ich meine nicht den Sirup, der lange hält, sondern das erfrischende, leicht säuerlich-herbe Getränk, das pur getrunken wird. Gleichzeitig fällt mir auch immer die Mikrobiologie Vorlesung an der Boku in den 80er Jahren ein, wo der Professor ganze zwei Stunden über den Hollersprudel geschimpft hat, weil der ja unglaublich viele unterschiedliche Bakterien und Pilze enthält. Wir Studenten haben uns dann tatsächlich gewundert, dass wir noch am Leben sind.

Und so geht der Hollersprudel: Ich gieße sechs Liter Wasser in einen Kübel und gebe sechs Hollerdolden dazu. Dann messe ich einen Achtelliter Gärungsessig ab und schneide zwei Biozitronen in dünne Scheiben. Das kommt auch alles dazu, weil im leicht sauren Wasser wachsen dann – mit großer Wahrscheinlichkeit – die richtigen Bakterien. Und zum Wachsen gebe ich den Bakterien noch ein halbes Kilo Zucker, das schmeckt denen natürlich.

Dann decke ich den Kübel mit einem sauberen Tuch zu und stelle ihn in die Speis, die hat hoffentlich ungefähr Zimmertemperatur. Jetzt brauche ich ein wenig Geduld, so eineinhalb bis drei Tage, bis der Hollersprudel fein säuerlich duftet. Und wenn das der Fall ist, sind sehr viele verschiedene Bakterien und Pilze drin und die bringen viel Geschmack und halten den Darm gesund. Dann freu ich mich schon auf den ersten Schluck!

Der Hollersprudel ist ein saisonelles Getränk, das gibt es nur zur Hollerblüte, und das ist auch gut so. Und ob der Hollersprudel gelungen ist oder nicht weiß unsere Nase ganz genau.

Ernährungswissenschafterin Karin Buchart gründete die Traditionelle Europäische Heilkunde, TEH, in Unken.  Mail: salbei@teh.at

Info: Vom 28. bis 30. Juni finden in der TEH Akademie in Unken „Heilsame Tage“ statt. Schwerpunkt: Fermentierte Lebensmittel. Anmeldung und Info: Mobil: 0664/886 780 05, Mail: akademie@teh.at