Krawummm! Ein Liebestoller voll in Fahrt

Marderschäden im Auto haben nun Hochsaison. Der Grund? Die Hormone.

Männer lieben Autos. Klischee hin oder her, bei den Mardern trifft es voll zu. Obwohl es genau genommen eher eine Hassliebe ist. Aktuell rücken die Pannenhelfer des ÖAMTC in Salzburg zehn Mal pro Woche aus, um Autofahrern zu helfen, die vom Marder heimgesucht wurden. Die Dunkelziffer liegt noch höher, denn im Zweifelsfall gilt die Unschuldsvermutung für das Tier.

Erwischt! So süß er auch ausschaut, Autofahrer nervt der Marder gewaltig.  Bild: ÖAMTC

Marder sind Räuber, sie fressen am liebsten Eier, Vögel und kleine Säugetiere. Warum zerbeißen sie Kabel, Ummantelungen von Schläuchen, Dämmungen im Motorraum? „Der erste Marder ist noch kein Problem, der zweite macht’s aus“, weiß ÖAMTC-Sprecherin Aloisia Gurtner. Denn die Nager markieren ihr Revier mit Duftnoten – auch im Auto. Parkt man in zwei unterschiedlichen Marderrevieren, lässt die Bescherung nicht lange auf sich warten.

Revierkämpfe unter der Motorhaube

Dringt ein Rivale ein, sieht das Mardermännchen nämlich rot. Es lässt seine Wut am Auto aus, schließlich ist der Rivale nicht greifbar. Und es zerbeißt da alles, was ihm zwischen die scharfen Zähne kommt. Da im Frühjahr Paarungszeit ist, schnellt die Zahl der Schäden in die Höhe. „Wir hatten schon Autos, da mussten unsere Pannenhelfer drei Mal die Woche ausrücken“, sagt Gurtner.

Hat man einen Marder, helfen keine Hausmittel, betont sie: „Wir haben schon die kreativsten Sachen unter der Motorhaube rausgeholt: Wunderbäume, Mottenkugeln, Duftkerzen, Hunde-, Menschen- und Katzenhaare, manche setzen auch auf die Behandlung mit Urin. Auch Radios wurden nachts in die Autos gestellt, weil Marder Lärm nicht mögen. Aber die Tiere sind sehr intelligent und anpassungsfähig, sie gewöhnen sich an so ziemlich alles.“

Wunderbäume, Hundehaare – das hilft alles nichts

Wurde man von einem Marder heimgesucht, können eine Motorwäsche oder ein Marderspray als erste Hilfe dienen. Pendelt man zwischen zwei Revieren, helfen nur harte Maßnahmen. Es gibt spezielle Ultraschallgeräte (Kosten ca. 50 Euro), die man selber anschließen kann, oder Marderschutzsensoren. Diese wirken wie ein Weidezaun: Tritt der Marder auf die elektrischen Metallblättchen, bekommt er einen schmerzhaften Stoß (ca. 140 Euro, Einbau in der Autowerkstatt).

Vor Marderattacken ist kein Auto gefeit, auch stark verbaute Modelle nicht. Marder sind noch in jeden Motorraum gekommen, weiß der ÖAMTC. Hat man Pfotenabdrücke am Auto entdeckt, sollte man abklären lassen, dass nichts kaputt ist. Denn Marderschäden können nicht nur teuer, sondern auch gefährlich werden.

Manche Versicherungen übernehmen die Reparatur, den Vertrag studieren lohnt. Trotz aller Maßnahmen gilt: Hundertprozentigen Schutz gegen die liebestollen Kabelbeißer gibt es nicht.

Veranstaltungstipp für Tierfreunde: Noch bis 27. Mai läuft die Woche der Artenvielfalt. Info: www.naturschutzbund.at

Von Petra Suchanek