Er weiß, was um uns blüht und fliegt

Ein Seehamer erklärt heimische Bienen und Blumen. Seine Homepage zieht Millionen an.

Fährt man durch die Gemeinde Seeham, begrüßen einen heuer Wildblumen-Blühstreifen am Straßenrand. Sie wurden vergangenen Herbst angelegt. Ein halber Meter Erde musste dazu abgetragen und dann mit Schotter und einer dünnen Humusschicht obenauf wieder gefüllt werden, erzählt Walter Wallner. Denn: „Fast alle heimischen Wildblumenarten brauchen magere Böden“, erklärt Wallner. In Sachen Blumen kann man dem 60-Jährigen, der vom Brotberuf den Schulbus fährt, nichts vormachen.

Vor elf Jahren ging seine Homepage waldundwiesenblumen.at zur Bestimmung unserer Wildblumenarten online. Nach Blütenform und Farbe geordnet, lüftet sich dort bald das Geheimnis des gesuchten Blüm-leins. 1,5 Mio. Zugriffe hatte die Homepage im Vorjahr. Wallner ist selbst erstaunt, auf welch reges Interesse sie stößt. Als naturbegeisterter Hobbyfotograf hatte er hunderte Fotos von Wildblumen der Region gemacht, sie kategorisiert – und so kam ihm die Idee zur Homepage.

„Österreich ist ein Hummel-Hotspot. Nur im Himalaya gibt es mehr Arten.“ Walter Wallner

Er wollte sein Wissen und seine Begeisterung für die Natur weitergeben. Das blieb nicht aufs Internet beschränkt. Wallner engagiert sich seit vielen Jahren in der Gemeinde, ist auch beim Bio-Stammtisch aktiv. Wie kann man die Gemeinde weiterentwickeln? Diese Frage hört für Wallner nicht bei der Hotellerie und den Biobauern auf.

Vom Bienenlehrpfad zum Wildblumen-Blühstreifen

Noch bevor das Bienen- und Insektensterben medial groß aufgegriffen wurde, hat Wallner einen Bienenerlebnisweg angestoßen und mitgestaltet. Nach mehrjähriger Planungsphase eröffnete dieser vor fünf Jahren auf einem Gemeindegrundstück am Ufer des Obertrumer Sees. Herzstück des Bienenlehrpfads ist ein Pavillon (Schlüssel im Tourismusbüro holen!). Außen ist er mit Schautafeln und innen mit geballten Wissen über Wildbienen, ihr Leben und ihr Vorkommen bestückt, rundum blühen Wildblumen.

In den Beeten stehen Nisthilfen für Insekten, die eifrig genutzt werden. 690 Wildbienen-Arten leben allein in Österreich, weiß Wallner, er hat im Zuge seiner Recherchen auch Erstnachweise für Salzburg gefunden. Er zieht aus einem Schaukasten einen mit Glas bestückten Rahmen heraus und zeigt, wie die Wildbienen darin nisten.

Im Unterschied zur Honigbiene, von denen es nur ein paar Arten weltweit gibt, leben die meisten Wildbienen „solitär“ und bauen sich ihre Brutzellen allein, erklärt er. Sie tun dies je nach Art in der Erde oder in altem Holz, das es aber in unserer regulierten Natur kaum noch gibt. Auch erzählt Wallner, dass Österreich mit seinen 40 verschiedenen Arten weltweit ein „Hummel-Hotspot“ sei, nur im Himalaya gebe es noch mehr.

Arten bestimmen kann heute kaum noch jemand

Der Erlebnisweg kommt gut an, „vor den Ferien geht es hier rund, da sind viele Anfragen von Schulen“, freut sich Wallner. Kinder für die Natur zu sensibilisieren, ist ihm ein Anliegen. Nur wer weiß, was um einen herum lebt, ist bereit, es zu schützen.

Während man früher jedes Blümlein am Wegesrand kannte, ist die Kenntnis über die Arten in der Bevölkerung stark zurückgegangen, hört man. Auch Wallner bestätigt: „Bestimmen kann heute kaum noch jemand.“ Selbst in der Wissenschaft werde die Kenntnis von Arten stiefmütterlich behandelt, man verlasse sich heute lieber auf Computer und Gene als auf das eigene Auge.

Wallner ist kein studierter Biologe, sein Wissen hat er sich selbst angeeignet. Dass man Menschen für den Naturschutz begeistern kann, erlebt er immer wieder. Manche Seehamer lassen jetzt Wildblumen in ihren Gärten wachsen, das hilft den Insekten. Bei der Blühstreifen-Aktion habe „das halbe Dorf“ mitgeholfen, sie sei salzburgweit einzigartig, sagt Wallner.

Damit nicht genug: Seeham will die erste bio-zertifizierte Gemeinde werden, man arbeite gerade mit Instituten die Kriterien für ein entsprechendes Zertifikat aus, verrät Wallner.
Der umtriebige Naturfreund hat aber stets auch das Kleine im Blick: Aktuell arbeitet er an einer App zur Bestimmung von Hummeln.

Von Petra Suchanek