Geringgeschätzt und beweint

Dabei kann die ganz normale gelbe Zwiebel so viel!  

Das hat jetzt wirklich lange gedauert! Gehört und geredet hab ich schon so oft über die Zwiebelauflage und selbst gemacht habe ich sie noch nie.
Aber von Anfang an: Die Zwiebelauflage ist ein uraltes Hausmittel und früher oder später läuft sie fast jedem über den Weg. Ich weiß schon seit meiner Kindheit, dass sie trocknet, also etwa die rinnende Nase bremst. Aber wie soll das funktionieren?

Die gute gelbe Zwiebel ist die ökologische Verpackung für etwas sehr wertvolles: Lauchöle! Und eigentlich ist sie eine geniale Verpackung, denn sie hält die Lauchöle stabil und lange frisch in Form von Isoalliin. Das ist ein kleiner schwefelhältiger Eiweißbaustein. Dass da Schwefel eine Rolle spielt, sollte unsere Nase bald merken.

Kommt jetzt ein Fraßfeind mit seinen Schneidwerkzeugen daher oder wir mit dem Küchenmesser, so befreien wir ein Enzym aus seiner Gefangenschaft, das sich sofort an die Arbeit macht. Es entstehen verschiedene Verbindungen, die vor Freude auch sogleich ausschwärmen und uns manchmal sogar zum Weinen bringen.

Sie kratzen in den Augen und in der Nase und fegen, besser als jeder Waschlappen, über Haut und Schleimhäute. Dabei lassen sie von Bakterien und Pilzen nichts übrig, rein gar nichts. Außer unseren befreundeten, physiologischen Bakterien, doch die brauchen wir ja sowieso.

Wir können aber die ätherischen Öle, die da so enthusiastisch aus der Zwiebel springen und unserer Nase gar nicht so gut tun, auch anderwärtig in den Körper einschleusen. Etwa über die Füße! Die Reflexzonen reagieren dort sehr sensibel auf solche Reize. Wahrnehmen heißt ja nicht automatisch riechen.

Und so einfach geht’s: Zwiebel schälen, hacken und auf einen dünnen Baumwollstoff legen. Dann einschlagen wie ein kleines Päckchen und auf die Fußsohlen legen. Mit einer Decke einschlagen. Jetzt braucht es nur noch ein wenig Ruhe, und die Zwiebel bearbeitet Erkältung und Schnupfen sozusagen von unten herauf.

Ernährungswissenschafterin Karin Buchart gründete die Traditionelle Europäische Heilkunde, TEH, in Unken.
Mail: salbei@teh.at