Tempo 80 und Cannabis sind Themen

Salzburgs Junge sind politisch interessiert: „Natürlich gehen wir wählen!“

Zunächst erstaunt beim Lokalaugenschein im Nonntal, wie interessiert und informiert die jungen Leute sind. Fast alle Schüler und Studentinnen, mit denen wir sprechen, waren bei einer der Podiumsdiskussionen zur Landtagswahl. Das Stichwort Politik löst keine Abwehr aus. Und sie werden alle zur Wahl gehen.

„Es kiffen schon viele“

Efekaan Sabah, Schüler einer sechsten Klasse des BG Nonntal, darf erstmals an einer Wahl teilnehmen. Der türkischstämmige Junge geht „natürlich wählen“. Was ihm wichtig wäre? „Die Politik  sollte mehr für die Bildung tun, Spracherwerb,  Sprachreisen fördern“, sagt Efekaan. Er gehört zu jener jüngeren Generation aus Migrantenfamilien, die in wachsendem Maß nach einer guten Ausbildung strebt.
Klassensprecher Sidi Hinterreitner haben die freiheitlichen Politiker nicht gefallen. „Sie haben Meinungen, die bei den Jungen nicht so gut ankommen.“ Nicht nur beim „Thema Ausländer“, sondern auch bei den Dingen, die das Leben der Jugendlichen tangieren. „Es ist schon so, dass viele  kiffen. Wenn man den Konsum frei geben würde, gäbe es mehr Kontrolle. Am besten wäre der Verkauf über die Apotheke“, sagen die Jungen. Die Grünen und die Neos würden wenigstens ehrlich darüber reden. Die Wahlentscheidung würde er davon aber  nicht abhängig machen, betont Sidi.

Wohnungspreise

Ein anderes grünes Leuchtturmprojekt, Tempo 80, lehnen die jungen Gymnasiasten wie auch viele Lehrlinge  ab. „Tempo 130 wäre besser“, meinen die Burschen, die bald den Führerschein machen werden. Und, nein, das sei „keine Männergeschichte“.
Bei den Studenten sind die hohen Wohnungspreise in der Stadt und der Verkehr der Zündstoff. Claudia Hannerer, 26, frisch gebackene AHS-Lehrerin aus OÖ, fährt mit dem Auto zur Uni. „Das ist  günstiger als mit den Öffis.“ Dennoch werde sie vermutlich wieder nach Oberösterreich zurückgehen, wegen der Wohnungsfrage. Pädagogikstudentin Jenny aus dem Pinzgau fährt mit der Bahn zur Uni. „Drei bis vier Stunden reine Pendelzeit, das ist ermüdend“, sagt sie. Zukunftsängste haben die Jungen kaum. „Natürlich werden Probleme kommen, die hat jede Generation. Das wird man schon irgendwie lösen können“, glaubt  Jenny.

Sonja Wenger