Plastik verdreckt unsere Flüsse

Auch hierzulande findet man schon Plastikteile in Fischen. Achtlos weggeworfene Plastikflaschen tragen ihren Teil dazu bei.

Plastikmüll betrifft uns alle. Das zeigen die zahlreichen Reaktionen auf die vorwöchige Fenster-Story über die Salzburger „Müllbusters“. Längst betroffen sind auch die heimischen Gewässer, wie der Wasserkraftwerksbetreiber Verbund und der Salzburger Landesfischereiverband betonen. „Wir haben im Vorjahr 23.000 Tonnen Treibgut, darunter viel Plastikmüll, aus österreichischen Flüssen gesammelt“, schildert Sprecher Florian Seidl. Das deutsche Pfand auf Plastikflaschen mache Sinn, so Seidl: Am Wasserkraftwerk Jochenstein an der oberösterreichisch-bayerischen Grenze schwimme viel weniger Plastik als in Salzach oder Donau.

Fische fressen, was sie kriegen

„Traurig“ nennt Fischereiverband-Geschäftsführerin Daniela Latzer, wie sorglos viele Menschen in Salzburg Bäche und Flüsse verschmutzen. „Einkaufssackerl und Plastikflaschen bleiben wie Fahnen an den Ufern hängen“, beschreibt Horst-Franz Gratz im Namen des Arbeiterfischer-Vereins die ständig wiederkehrende Verschmutzung. Ein Teil des Plastikmülls schwimme wegen technischer Unzulänglichkeit auch neben den Kraftwerken einfach „durch“ und zerreibe sich anschließend, etwa in der Salzach beim Kraftwerk Urstein. Raubfische wie die Forelle fressen mitunter die Plastikteile. „Die sind so gierig, wir haben auch schon welche geangelt, die hatten Legosteine, Zigaretten und sogar einmal eine OP-Spritze im Magen. Meine Frau hat sich daran gestochen“, berichtet Salzburgs Bezirksfischermeister Bernhard Scheichl. Noch gehe es den heimischen Fischen gut, ihr Fleisch sei unbelastet. Das müsse nicht so bleiben, meint Scheichl an die Zukunft denkend: „Mikroplastik hast du früher oder später in der Nahrungskette.“

PET-Flasche zerfällt nach 450 Jahren

Von dieser unappetitlichen Folge unentwegter neuer Plastikproduktion müsse man inzwischen ausgehen, bestätigt Lisa Kernegger, Fischexpertin bei Global 2000. „Das viele Plastik bringen wir nie wieder aus der Welt“, so die Limnologin. Bis eine einzige PET-Flasche zerfallen ist, dauere es 450 (!) Jahre. Ein Plastiksackerl braucht im Vergleich dazu „kürzer“, nämlich zehn bis 20 Jahre. Studien über Mikroplastik in heimischen Fischen gibt es kaum. Die Mikroplastik-Forschung stehe erst am Anfang, so Kernegger.

Fleece-Kleidung: Mikroplastik-Schleudern

Neben Plastikflaschen befördern Kosmetika (Peelings), Plastiksackerl und die immer häufiger gekaufte Synthetikkleidung Mikroplastik in die Umwelt. Wäscht man einen Fleece-Pulli (ist aus PET-Flaschen hergestellt) in der Waschmaschine, gehen dabei 2000 winzige Kunststoffpartikel ins Abwasser. Sie schlüpfen durch die Kläranlagen einfach durch und gelangen so in den Wasserkreislauf.

Von Sabine Tschalyj