Marlene plötzlich zahm

Die drei „schönen Optionen“ der ÖVP: Grüne, Blaue und Rote.

Schwarz-Blau, Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot? „Diese Optionen wären eine schöne Verhandlungsbasis“, meint ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Mayer. Auch eine Dreier-Koalition wäre denkbar, so der Landtagsabgeordnete. ÖVP-Chef Wilfried Haslauer kann es sich aussuchen – man rechnet intern mit einem Wahlergebnis deutlich über 33 Prozent.

Blaue bereit fürs Regieren

Es war ein unspektakulärer Wahlkampf mit wenigen Höhepunkten. FPÖ-Spitzenkandidatin Marlene Svazek stellte nach vielen vagen Aussagen kurz vor Wahlschluss klar, sie werde „die nächsten fünf Jahre in den Salzburger Landtag zurückkehren, ob als Regierungsmitglied oder Klubobfrau in Opposition.“ Svazek ist Parlamentsabgeordnete und FPÖ-Generalsekretärin. Die 25-Jährige, die Landeshauptmann Haslauer im Wahlkampf hart attackierte, gibt sich nun handzahm.  Zuletzt habe sie „einen wertschätzenden Umgang gepflegt“, die Freiheitlichen seien bereit fürs Regieren.
Ob das reichen wird?

„Diese Aggressivität kommt nicht gut an“,  sagt Wolfgang Mayer. Viele Bürgerliche scheuten sich genau davor. „Die stört das Schreierische und das Personal. Wir wissen bei den Blauen noch nicht einmal, wer wäre das Regierungsteam? Ist das Rebhandl? Oder Svazek? Oder zieht die FPÖ dann ihre Burschenschafter aus dem Hut?“ Berechtigte Bedenken gebe es aber auch gegen die Grünen, deren Hang „zur Bevormundung, zu Schikanen“. Bei der SPÖ fürchte man, „in alte Muster zu verfallen“, so Mayer.

Cannabis-Aufreger

Zum Aufreger wurde auch die durch  Sepp Schellhorn ausgelöste Cannabis-Debatte. Die liberale Haltung des Gastronomen kam bei Schülern durchaus gut an, das ländliche Publikum reagierte entsetzt. Für die ÖVP sind die Neos  wohl keine Option, wie Mayer unverblümt zu verstehen gibt: „Die wollen Gemeinden zusammenlegen, die sprechen den Bürgermeistern die Baukompetenz ab, die haben völlig linksliberale, antiföderalistische und zentralistische Meinungen, die bezeichnen die Landeshauptleute als Fürsten der Finsternis.“ Mayer glaubt auch nicht, dass Schellhorn tatsächlich in die Landesregierung wechseln will: „Er hätte dann ein Berufsverbot, er könnte seinen Seehof und das  M32 nicht mehr führen.“Hat Schellhorn sein offenes Wort zum Kiffen geschadet?

Wilfried Haslauer: Folgt die 37-jährige Staatssekretärin Karoline Edtstadler dem Salzburger ÖVP-Chef?

ÖVP mit bis zu 40 Prozent?

„Es ist ja nicht so, dass ich dem Drogenkonsum fröne oder das Wort rede, aber man sollte zumindest eine ehrliche Diskussion darüber führen“, erwidert Schellhorn. So wie er stets offen kommuniziert habe, dass er sein Parlamentsmandat nur gegen ein Regierungsamt in Salzburg aufgeben würde. Denn: „Ich kann als Stimme der kleinen und der Mittelbetriebe im Westen mehr im Nationalrat bewegen als im Landtag. Nur darum geht es.“Natürlich wolle er Landesrat werden, „gerne mit der ÖVP in eine Koalition gehen. Haslauers ÖVP wird an die 40 Prozent gehen, es führt kein Weg an ihm vorbei.“

Grüne auf alles gefasst

Bei den Grünen ist man insgeheim auf alles gefasst. „Wir liegen irgendwo zwischen neun und 17 Prozent“, so Sprecherin Elisabeth Schmidt. Dass die Grünen noch einmal mit Haslauer regieren wollen, ist ein offenes Geheimnis. Astrid Rössler sagt: „Es waren fünf gute Jahre. Dabei sind wir keinen Kuschelkurs gefahren.“
Wie frei ist die ÖVP aber angesichts neuer Machtverhältnisse in Wien? Kanzler Sebastian Kurz habe „nicht die geringste Einflussmöglichkeit“, betont VP-Stratege Mayer: „Es würde sich auch niemand erdreisten, Wilfried Haslauer Vorschriften  zu machen.“ Auch dessen Nachfolge sei kein Thema. „Der Mann ist 62 und läuft schneller als ich.“ Gerüchten zufolge könnte Staatssekretärin Karoline Edtstadler Haslauer beerben. Fragen dazu beantwortet die 37-jährige Salzburgerin nur ausweichend.

Sonja Wenger