Das Land braucht – Leidenschaft

Über Cannabis wurde während des Wahlkampfes leidenschaftlich diskutiert. Bei wichtigeren Salzburger Themen fehlte die Leidenschaft.

Zum  Schluss wurde es noch richtig emotional und leidenschaftlich:  Typisch, dass es da um eine Frage ging, die das Land gar nicht regeln  kann.  Ob Cannabis kontrolliert freigegeben werden solle oder nicht? Das erhitzt Salzburgs Spitzenpolitiker und auch einige Menschen im Land. In Wahrheit ging es vor allem  darum, ob man die Freigabe   vor mehr als tausend Schülerinnen und Schülern postulieren kann – wie dies Neos-Mann Sepp Schellhorn getan hat.  Der pocht darauf, das Thema ehrlich und offen diskutieren zu dürfen und wirft seinen Kontrahenten Scheinmoral vor. Nur muss man sich fragen: Ist dieses Thema  auf einer Wahlkampfbühne überhaupt seriös und sachlich diskutierbar? Die Erfahrungen der letzten Tage zeigen: Eher nein.
Die Leidenschaft, die da kurz aufflackerte, hätte dem Wahlkampf an anderen Stellen viel besser getan. Dort, wo es um die zentralen  Lebensfragen der Salzburger ging: Ums Wohnen, um den Verkehr, um die steigenden Kosten für das tägliche Leben. Dort gibt es dringenden Handlungsbedarf, da hat auch die aktuelle Landesregierung gewaltige Baustellen hinterlassen.
Natürlich wurde  auch darüber viel diskutiert. Nur blieb es oft bei Allgemeinplätzen. Man kam vom Hundertsten ins Tausendste, und kaum etwas blieb hängen. Emotion und Leidenschaft? Fehlanzeige!  So schleppte sich der Wahlkampf seriös, aber halt etwas fad ins Ziel.  Zumal die ÖVP in Umfragen klar führt, und sich Grüne, FPÖ sowie SPÖ fast ein wenig  anbiedern, um mit den „Schwarzen“ künftig regieren zu dürfen.
Dass die ÖVP vor der Wahl keine Koalitionspräferenz nennt,  ist machttaktisch verständlich,  demokratiepolitisch aber ärgerlich.  Denn viele Salzburger wählen so in gewisser Weise die Katze im Sack – samt Risiko,  dass sich (mit der eigenen Stimme) dann  eine Koalition formiert, die man eigentlich gar nicht wollte.