Alexa, hol die Polizei!

Sprachassistenten sind die neuen Diener für verspielte Leute. Doch die kleinen Roboter drehen mitunter durch. Was teuer werden kann.

Es dauerte keinen Tag, da wusste Alexa, wo ihre neue Familie wohnt. „Alexa, wie wird das Wetter?“,  lautete die Frage, und die smarte kleine Echo-Box antwortete rasch: „In Itzling beträgt die Temperatur zwei Grad bei leichtem Schneefall.“ Das irritierte dann doch, erzählt die Salzburgerin, die sich unlängst Amazons bestverkauftes Spielzeug  zulegte – und es regelmäßig vom Netz zieht. Das kleine Ding muss ja nicht alles mitkriegen.

Alexa kommt ins Fernsehen

Das Hirn hinter Alexa ist ein  Großrechner von Amazon, der die gesamte Unterhaltung mithört und Alexa-Befehle über Apps und WLAN ausführt.  15.000 Kunststückchen und Idiotien beherrscht der kleine Sprachcomputer bereits: Alexa, mach einen Cappuccino! Alexa, starte Pupsgenerator! Alexa, spiele Ed Sheeran! Erst 3000 Skills sind es im deutschen Sprachraum. Doch es werden täglich mehr, da immer mehr Unternehmen, ob Medien, Dienstleister oder ÖBB, die Sprachassistenten als neues Werbefenster entdecken. Alexa, nenne mir eine Sauna in Salzburg! Alexa, wann geht der nächste Zug nach Wien? Alexa, spiele Ö1! Amazon hat Schätzungen zufolge bereits mehrere zehn Millionen Smartspeaker verkauft, der US-Gigant nennt keine Zahlen, dürfte aber klar vor Konkurrent Google liegen.

Ausschaltknopf muss sein

„Digitale Sprachassistenten sind ein Megatrend“, bestätigt man bei Saturn Salzburg. „Das Interesse bei den Konsumenten ist groß. Man kann davon ausgehen, dass das noch zunehmen wird“, sagt eine Sprecherin. Smartspeaker würden zunehmend in andere Geräte eingebaut, weiß Media Markt Salzburg-Geschäftsführer Jürgen Grampp. „Sonos hat Alexa integriert, man kann damit die Multiroom-Beschallung steuern. Vom Zubehörhersteller Hama kommt ein Produkt mit Alexa, wo man nicht automatisch zu Amazon als Kaufplattform gelenkt wird.“ Panasonic baue Alexa mitsamt integriertem Ausschaltknopf in die Fernsehgeräte ein. Sony-TV hat sich für Google Assistant entschieden (der   erst 2019 freigeschaltet wird).

Alexa allein zu Hause

Doch die kleinen Diener entgleisen mitunter, wie von Menschenhand kreierte Wesen das gerne tun. Zuletzt machte ein Video die Runde, indem Alexa in schwärzester  Nacht einen irren Lacher von sich gibt.
Alexa allein zu Hause kann ebenfalls schlimme Folgen haben. In München schaltete der Echo-Dot in einer Wohnung die Hifi-Anlage ein, während die Besitzer abwesend waren. Dann drehte der Sprachroboter – Alexa, lauter, lauter! – derartig auf, dass Nachbarn die Polizei holten. Die brach am Ende die Tür auf. Die Besitzer wollen Amazon nun auf Schadenersatz klagen.

Strahlenflut

Wolfgang Heim, Inhaber der IT-Firma  „Chrash Computer“ in Itzling, sieht den Hype um die digitalen Sprachcomputer skeptisch. „Ich persönlich möchte nicht, dass alles mitgehört wird, was ich in meinen vier Wänden spreche. Außerdem wissen wir noch nicht wirklich, wie gut uns diese elektronische Strahlenflut tut, die wir rund um uns aufbauen.“

Sonja Wenger