Die Werkskantine als Haubenlokal

Das gibt’s nur einmal im Land: Zur Beiried perfekt herb-säuerlich die kleinen Linsen – im Eisenwerk.

Es gibt nicht mehr viele Industriebetriebe in Salzburg, die international eine Rolle spielen. Ein Begriff, der gut zum Eisenwerk Sulzau passt. Stellt das Unternehmen doch Walzen her – und es überrollt, nein, übertrifft damit die Konkurrenz, ist einer der Weltmarktführer. In Tenneck, dem Ortsteil von Werfen, ließ Erzbischof Schrattenbach schon 1770 Eisen verhütten.

Wichtiger noch ist das Jahr 1899, denn damals übernahm die Familie Weinberger die Firma. Womit die nicht einem chinesischen Konsortium gehört, das irgendwann die Lust am Standort in Fernwest verliert. Heute sind es 70 Millionen Euro Umsatz bei einer Exportquote von nahezu 100 Prozent.

Im Werk steht für die 272 Beschäftigten eine Kantine, das Gasthaus zum Eisenwerk. Die Gaststube ließen die Firmenchefs vor drei Jahren zum Restaurant umbauen. Ein Wirt wurde gefunden, der auch Küchenchef ist: Rupert Eibl, aufgewachsen auf einem Bauernhof in der Gaißau. Vor allem hörte der Vorkoster, dass sich da jemand Mühe gibt. Das Signal zum Besuch.

Der Gasthof zum Eisenwerk liegt quasi im Eisenwerk, unscheinbar das Haus, innen aber modern gestaltet: schönes Holz an den Wänden, gepaart mit kräftigem Rot, auch die attraktiv gemaserten Holztische nicht unter Tischdecken versteckt. Die Papierservietten steckten in Serviettenringen: schwer und aus Eisen gefertigt.

An einem trüben, kalten Winterabend unter der Woche sahen wir Arbeiter, die geschwind etwas aßen und tranken, Familien, die lustvoll ein Mahl einnahmen, und Frauen, die im Nebenraum gemeinsam Line-Dance übten. Ein Treffpunkt für Tenneck, auch geeignet für größere Versammlungen: der Saal fasst 300 Menschen.

Die Standard-Karte bietet vor allem Pflicht-Gerichte: Cordon bleu oder Schnitzel vom Schwein, Pommes frites. Das Tages-Angebot macht mehr Lust. Da hält sich Eibl nicht an regionale Beschränkungen, seine Gäste wünschen sich Besonderes. Hübsch ist die Idee eines Überraschungsmenüs von drei bis fünf Gängen (preiswerte 31 bis 41 Euro), bestehend aus kleineren Portionen aus der Karte. Daran kam der Vorkoster nicht vorbei.

Uns freuten die Details: Zum Rindscarpaccio, saftiges Fleisch, stark mit Parmesan gewürzt, fanden Grammln knusprig auf den Teller. Zur angenehm fruchtigen Kokos-Tomaten-Suppe (€ 6,50) wurde ein Spieß gereicht, Huhn in Sesamkruste. Die Garnelen im überbordenden Caesar-Salat (€ 13,50) waren paniert, schön auch die Frühlingsrolle und der Ziegenkäse im Speckmantel.

Die gebratene Beiried (€ 19,50) zeigte tadellose Qualität, perfekt herb-säuerliche die kleinen Linsen dazu. Der Schoko-Kuchen zum Abschluss ward nach dem Anstechen zum Lava-Brunnen dichter, flüssiger Schokolade, begleitet vom artgerechten After-Eight-Eis. Man versäume nicht, Sorbets zu bestellen (3 Kugeln € 5,40): exzellent eingefangen das Aroma von Zwetschke und Passionsfrucht.

Es gibt eine kleine Weinkarte, freundlich kalkuliert. Vor allem werden zehn Weiße, Süße wie Rote glasweise ausgeschenkt – solch Entgegenkommen findet sich selten, selbst in renommierten Häusern.
Kulinarisch ist in Tenneck etwas, pardon, ins Rollen geraten. Passt ja auch, dass sich ein weltweit anerkanntes Unternehmen als Kantine ein Haubenlokal hält.

Gasthaus zum Eisenwerk, Kohlplatzstr. 4, 5451 Werfen-Tenneck, Tel. 06468/20008, www.gasthaus-eisenwerk.at