Alle fliegen auf ihre Geschichte

Salzburgerin schafft es mit ihrem Debütroman auf ORF-Bestenliste. „Fenster“-Lesern ist Mareike Fallwickl als „Zuckergoscherl-Kolumnistin schon ein Begriff.

„Wenn du als österreichischer Autor bei einem deutschen Verlag unterkommst, dann musst du schon ein Hammer-Manuskript haben, einen richtigen Knaller“, weiß Krimiautor Manfred Baumann. Der SF-Kolumnistin Mareike Fallwickl ist dies mit ihrem Romandebüt „Dunkelgrün fast schwarz“ gelungen.

Verleger Joachim Unseld wollte das Buch unbedingt haben, wie er der FAZ berichtete, sein Verlag – die renommierte Frankfurter Verlagsanstalt – promotet es als Spitzentitel im Frühjahrsprogramm. Auf der ORF-Bestenliste, deren Jury sich aus Buchhändlern und Literaturkritikern zusammensetzt, fand der Roman Eingang in die Top 10-Bücher im März.

Lesungen von Wien bis Hamburg stehen Fallwickl bevor, allein fünf in drei Tagen auf der Leipziger Buchmesse. Die Vorschusslorbeeren sind groß. Buchhändler Klaus Seufer-Wasserthal attestiert dem Roman Bestsellerqualitäten, was Spannung und Lokalkolorit betrifft.

 

SF-„Zuckergoscherl“ Mareike Fallwickl begeisterte mit ihrem Manuskript Verleger und „Suhrkamp-Sohn“ Joachim Unseld. Am 5. März erschien ihr Romandebüt „Dunkelgrün fast schwarz“ in der Frankfurter Verlagsanstalt. Bilder (2): Gyöngyi Tasi

Die Geschichte spielt in Hallein am Dürrnberg

Als gebürtige Halleinerin setzt Fallwickl die Handlung nämlich in der Keltenstadt an, am Dürrnberg, wo sie selbst aufgewachsen ist. Stadtkrug, Freysitz, Halleiner Gymnasium – die Orte sind real, die handelnden Personen fiktiv, wie Fallwickl betont.

Ähnlich wie in ihrer SF-Kolumne interessiert sie sich auch im Roman für das Zwischenmenschliche. Sie erzählt von einer Bubenfreundschaft, die in einer Dreiecksgeschichte mit dunklem Geheimnis mündet. Die Freunde treffen sich nach 16-jähriger Pause wieder, da sind sie bereits in ihren Dreißigern. Über die knapp 500 Seiten löst Fallwickl das Rätsel um die drei Stück für Stück aus der Perspektive der Freunde und der Mutter eines der Buben auf. „Ich wollte zeigen, was in einem Beziehungsgeflecht passiert. Raffael ist der faulige Teil, an dem das ganze Geflecht krankt, der alles sabotiert. Aber es sind alle Figuren ein bisschen kaputt und angeknackst. Bei der Johanna dachte ich mir manchmal selbst, mein Gott, wie kann man nur so gestört sein. Die musste ich mir richtig aus den Rippen schneiden“, lacht Fallwickl. Das Ende ist versöhnlich, doch ging es ihr nicht um ein Happy End: „Menschen wie Raffael kommen im Leben immer irgendwie davon.“

Junge Autorinnen aus Salzburg auf dem Vormarsch

Als Buchbloggerin liest Fallwickl selbst Berge von Büchern, sie wollte eines schreiben, dass den Leser nicht kalt lässt. „Ich hoffe, dass ich es mit meinem Roman geschafft habe, solide, niveauvolle Unterhaltung zu bieten, die Männer und Frauen anspricht“, sagt Fallwickl.

Ein namhafter Verlag sei noch kein Garant für Erfolg, sagt Literaturhaus-Leiter Tomas Friedmann, der Fallwickl zur Lesung mit drei weiteren Autorinnen geladen hat. „Unsere Aufgabe ist es auch, die Jungen zu unterstützen“, betont er. Auffällig sei, dass gerade unter den Neuerscheinungen von Autorinnen viel Interessantes zu finden sei. Auch in Salzburg gewinnen junge Literatinnen an Präsenz. Laura Freudenthaler, Birgit Birnbacher, Ingrid Kaltenegger sind Beispiele aus jüngster Zeit, die mit ihren Werken die Kritiker begeisterten.

Friedmann führt den Vormarsch der Frauen auf den gesellschaftlichen Wandel und bessere Förderung durch Stipendien, Preise, aber auch Verlage und Literaturhäuser zurück. Die großen Preise heimsen aber nach wie vor die Männer ein, räumt er ein.

Kann man als Salzburger Autor von seinen Büchern leben? Baumanns Salzburgkrimis gingen im sechsstelligen Bereich über den Ladentisch, sagt er, leben kann er davon nicht. Das gelinge auch nur wenigen österreichischen Autoren, weiß Friedmann, in Salzburg Größen wie Karl-Markus Gauß, der auch eine Literaturzeitschrift herausbringt, und Walter Kappacher. Wichtig seien für Autoren Zusatzeinnahmen, etwa durch Drehbücher oder Lesereisen.

Fallwickl lässt sich davon nicht abschrecken, sie hat mehrere Standbeine in der schreibenden Zunft. Obwohl sie nach ihrem Debüt Pause machen wollte, hat sie das nächste Buch bereits in Arbeit. Sie schreibt einfach zu gern.

 

Lesungen von Mareike Fallwickl

12. März: Literaturhaus Salzburg
(mit drei weiteren Autorinnen),
20. März: Gymnasium Hallein
24. März: Buchhandlung Stierle, Salzburg
5. April: Buchhandlung Leseträume, Hallein

Zur Autorin

Mareike Fallwickl, geb. 1983 in Hallein, ist freie Lektorin und Texterin. Sie studierte Sprachwissenschaft und
betreibt seit 2009 den Buchblog „Bücherwurmloch“. „Fenster“-Leser schätzen sie auch als Autorin der
wöchentlichen „Zuckergoscherl“-Kolumne. Fallwickl lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Hof bei Salzburg.

Von Petra Suchanek