„Wir Österreicher sind ein deutsches Volk“

Wehrmachtskult, Likes für Holocaust-Leugnerinnen, Anschluss-Fantasien. Was Bundesbrüder umtreibt.

Ein ehemaliger FPÖ-Funktionär aus dem Flachgau und Neo-Burschenschafter hat ein besonderes Faible für die Helden der Deutschen Wehrmacht. Auf seiner Facebook-Seite stellt er  reihenweise dekorierte Panzerjäger vor, darunter auch einen  aus Bad Gastein stammenden SS-Obersturmführer  der „Division Totenkopf“. Dem 23-Jährigen gefällt auch ein Propagandabild zu den NS-Rassegesetzen,   das eine  junge Ingolstädterin aus der Neo-Nazi-Szene gepostet hat:     „Deutsche Frau! Halte Dein Blut rein“,  steht da neben der züchtigen  Mutter mit Kind. Die Posterin  im Dirndl-Outfit zeigt  öffentlich den Hitlergruß und ruft zur Solidarität mit einer 90-jährigen,  mehrfach verurteilten notorischen Holocaust-Leugnerin auf. Auch das liket der frühere  FPÖ-Gemeinderat.

 „Halte Dein Blut rein“

Inzwischen studiert der junge RFJ-Mann an der Montanuniversität Leoben, ist Schriftführer der Burschenschaft Leoben Leder, Motto: „Deutsch, furchtlos und treu“. Die Verbindung fiel gerade mit einem Flyer gegen die Ehe für alle auf, den ebenfalls ein NS-Propagandabild zierte, kritisiert   SPÖ-Parlamentarier  Mario Lindner. Die sofort erfolgten Distanzierungen  hält man für „völlig unglaubwürdig“.
So beschäftigt sich der  Salzburger     auch mit Fragen des „Anschlusses“.  Er teilt  Postings, in denen ein  deutscher  Bundesbruder  und Anwalt sich darüber mokiert, „welch horrende Strafen in Österreich angedroht werden, wenn man einer Verbindung angehört, die sich für den Anschluss  einsetzt“. Der junge Salzburger  empfindet   jedenfalls so: Er sei „stolz, deutsch zu sein.“ Als eine Facebook-Userin ihn korrigiert, „Du bist Österreicher, kein Deutscher“, beharrt  er: „Wir Österreicher sind trotzdem ein deutsches Volk! Also wir sind genauso Deutsch!“

 „Ein anständiger Junge“

Wir haben den jungen Mann über Facebook und über freiheitliche Kanäle um eine Stellungnahme ersucht. Angeblich hat man  keine Kontakte mehr. Dennoch  sperrte  der Ex-Mandatar noch während der  Recherchen sein Facebook-Profil. Der stellvertretende FPÖ-Landesparteiobmann Hermann Stöllner  meinte: Der 23-Jährige komme „aus einer lieben Familie“ und sei immer ein „anständiger, aufrichtiger Junge“ gewesen.     Er, Stöllner  habe  keinen Kontakt mehr zum Flachgauer  und kenne dessen Facebook-Seite nicht.

1938 zu den Nazis

Österreichs Burschenschaften stünden noch im Bann ihrer Vergangenheit, sagt der frühere Grünen-Abgeordnete Karl Öllinger, der die Screenshots  des  Jungblauen gesammelt hat. Noch 1994 habe man beschlossen, keine Mensuren mit „fremdrassigen Personen“ zu fechten. Viele deutschnationale Verbindungen gingen nach 1938 im NS-Studentenbund  auf, weiß Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands.  Nach 1945 habe es keine kritische Selbstbeschau gegeben.

Sonja Wenger