Kalt, trostlos, desolat: So hausen städtische Mieter

Die Stadt als Vermieter: 600 Gemeindewohnungen haben bis heute nur alte Kohleöfen, Häuser verfallen, stehen halb leer. Mieterin Brigitte S. aus Lehen friert in ihrer desolaten Sozialwohnung aus dem Krieg. Jetzt will die Stadt groß sanieren.

Die Salzburgerin Brigitte S. wohnt  im Gemeindebau in Lehen. Sie zahlt nur 363 Euro für die  80-qm-Parterre-Wohnung, in der sie ihre Kinder  großgezogen hat. Die Miete ist so günstig, weil die Siedlung im Krieg errichtet wurde und die 113 Wohnungen bis heute lediglich Kohleöfen haben. Einige Mieter hätten sich auf eigene Kosten moderne Heizungen eingebaut, weiß Frau S.  Sie aber könne mit ihren 1200 Euro Pension nicht groß sanieren. Die Wohnung der 65-Jährigen ist desolat.

Türen und Öfen aus den 1940ern zerbröseln

Türen und  Türstöcke aus den 1940er Jahren zerbröseln, durch die Fugen der Wohnungstüre sieht man auf den Gang; die Fenster sind undicht und zugig, vom Kachelofen im Wohnzimmer brechen die Steine herunter. In der Küche hat sich schwarzer, giftiger Schimmel gebildet, im Schlafzimmer wurde eine undicht gewordene WC-Leitung notdürftig verputzt.  Es sei ständig kalt, sie könne keine Kohlensäcke mehr schleppen,  schildert Frau S.  beim Lokalaugenschein: „Bei mir hat es in der Früh 15 Grad. Beim Fernsehen schalte ich einen Campingheizer mit Gaskartusche an.“ Frau S.  bemüht sich bei der Stadt und der Gswb seit langem um eine passende Wohnung – bisher vergeblich.

Sozialwohnungen zum Spottpreis verkauft

Wohnungsamtsleiterin Dagmar Steiner will sich in der Causa nun abermals bemühen. „Wir sind immer froh, wenn wir eine große Wohnung  gegen eine kleine eintauschen können. Das ist in der Regel  kein Problem. Wenn Interessenten aber Wünsche und Bedingungen stellen, die nicht erfüllbar sind, wird es schwierig. Man muss Abstriche und Kompromisse machen.“ Für eine Sanierung der Wohnung von Frau S. sei die Liegenschaftsverwaltung der Gswb zuständig.

Verwaltung ausgelagert

2006  hat die Stadt die Verwaltung ihrer Wohn- und Geschäftsimmobilien an die Tochterfirma KgL  ausgelagert. Gleichzeitig erfolgte mit Beschluss der Politik  eine drastische Bestandsreduktion: Die ursprünglich 4000 Gemeindewohnungen sind auf 1836 zusammengeschmolzen. Viele der  abgewohnten Sozialwohnungen wurden zu Spottpreisen  verkauft, andere im Baurecht an Genossenschaften übertragen. Andere sollten sanieren.  Es bedurfte des Gswb-Skandals, dass SPÖ-Wohnungsreferentin  Anja Hagenauer diesen  Ausverkauf  stoppte. Jetzt  wird ein neues Vergabemodell  erarbeitet  und  eine große Sanierungsoffensive gestartet. 14 Millionen Euro steckt die Stadt bis 2020  in den Substanzerhalt  von Gebäuden, die man verfallen und teilweise seit Jahren leerstehen hat lassen, so  die Adressen: Linzer Gasse 72 und 72a, Plainstraße 60, Innsbrucker Bundesstraße 43-45, Kirchenstraße 16, Eniglstraße 1a, Ursulinenplatz 10 (das historische Häuschen am Fels  des  Gstättentors).

Mietzins von 2,60 Euro

Die denkmalgeschützte Lehener Siedlung rund um Liliengasse und Tulpenstraße erhält ein neues Dache, neue Fenster und Wohnungstüren, Brandschutz und Elektroinstallationen, erklärt KgL-Chef Johann Steckenbauer. Die Wohnungen selbst werden nicht  saniert – dies erfolgt nur bei Neuvermietung. Im Fall von Brigitte S. wolle man jedoch helfen, sagt Steckenbauer: „Wir würden Frau S. eine Heizung einbauen, den Maler schicken und von mir aus auch die Türen machen. Sie muss das aber wollen und in Raten zurückzahlen.“ In der bereits sanierten Siedlung an der Strubergasse zahlen die Mieter dafür einen Euro mehr pro Quadratmeter.    Rund  600 städtische Wohnungen haben immer noch Einzelöfen und den Kategorie-B-Mietzins von 2,60 Euro netto. Sie würden „peu à peu  mit Etagenheizung, Fernwärmeanschluss, neuen Bädern, Böden und Installationen ausgestattet“. Wobei  viele   Mieter derartige Umbauten gar nicht wollten, so  Steckenbauer.

„Es gibt keine gröberen Beschwerden“

Im Büro von Vizebürgermeisterin Hagenauer weist man kritische Fragen zu Versäumnissen zurück. „Die  Chefin hat den Wohnungsverkauf gestoppt. Auch die  Lehener Siedlung geht nicht im Baurecht an die Gswb.  Ein Viertel bis ein Drittel der Wohnungen hat noch Brennstofföfen, das bewirkt aber  sehr günstige Mieten. Wir erneuern das nach und nach, die Stadt ist sozial.“ Es gebe zudem keine Rückmeldungen über grobe Beschwerden.
Die KgL habe 900.000 Euro Jahresbudget  für   laufende Wohnungssanierungen, weiß ÖVP-Klubobmann Christoph Fuchs. Nötig sei ein Wohnungspool für Wechsler und eine sozial   treffsichere Vergabe. „Was bisher vorgelegt wurde, gefällt mir nicht. Ich denke gar nicht primär an Nationalitäten und Migranten. Der Punkt ist, dass nur Menschen, die es auch brauchen, die günstigsten Wohnungen bekommen.“

Sonja Wenger