Filmkritik: „Meine schöne innere Sonne“

Juliette Binoche ist in Claire Denis neuem Kinofilm das Objekt männlicher Begierden.

Isabelle ist eine Künstlerin in Paris, geschieden, Mutter einer Tochter, Single. Im Zentrum ihres Lebens steht eine große Sehnsucht: „Ich möchte Liebe, echte Liebe!“. An Möglichkeiten mangelt es der attraktiven Endvierzigerin, die sich gerne in Overknee-Stiefel, Minirock und tiefem Dekolleté präsentiert, nicht. Die Männer begehren sie. Und Isabelle lässt sich auf sie ein.
Sie hat Affären mit einem unsympathischen Banker, mit einem selbstgefälligen Schauspieler, mit einem sensiblen Künstlerkollegen, mit einem Mann aus einfachen Verhältnissen. Und auch mit ihrem Ex versucht sie es noch einmal. Doch glücklich ist sie nie. Zu groß ist die Diskrepanz zwischen ihren Vorstellungen von Liebe und dem, was Männer bereit sind zu geben. Verzweifelt sucht sie am Ende einen Wahrsager auf.

Inszenierung:

Die französische Regisseurin Claire Denis beschäftigt sich in ihren Filmen vornehmlich mit Menschen am Rande der Gesellschaft und mit dem Erbe des Kolonialismus. Ihre Filme sind schonungslos und körperbetont. In „Meine schöne innere Sonne“ ist der Ton nun ein wenig leichtfüßiger. Der Film ist lose inspiriert von Roland Barthes’ Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Darin heißt es zu Beginn einmal: „Der Liebende hört in der Tat nicht auf, in seinem Kopf hin und her zu laufen, neue Schritte zu unternehmen und gegen sich selbst zu intrigieren.“ Der Satz könnte gleichsam als Motto über dem Film stehen. Während Isabelle die verletzbare, erfüllende Liebe sucht, begnügen sich die egomanisch-unsympathischen Männer in diesem Film mit gefahrlosen Liebeleien und Sex. Mit seinen oft allzu ausufernden Dialogen strapaziert der Film bisweilen ziemlich die Geduld des Kinogehers, zum Ausgleich betört Juliette Binoche den Kinogeher dafür mit einer glanzvollen, beeindruckend natürlichen Darstellung.

Der bewegendste Moment:

Zum Finale des Films hält Gérard Depardieu als Wahrsager einen zehnminütigen Monolog über die Liebe. Sein Rat: „Bleibe offen für Dinge, finde deinen eigenen, einzigartigen Weg und dann wirst du eine schöne innere Sonne finden.“

Fazit:

„Meine schöne innere Sonne“ ist sperriges, dialoglastiges französisches Kino mit einer großartigen Juliette Binoche in der Hauptrolle. Ab 14. Dezember in den Kinos.

Von Helmut Hollerweger
Das vollständige Kinoprogramm finden Sie auf der Internetseite des Salzburger Fensters. Die Adresse:
www.salzburger-fenster.at