Junge Bauern gehen kreative neue Wege

Sie liefern Milch ins Haus und bieten Patenschaften an. Junge Bauern werden mehr und mehr zum Partner der Kunden.

Nicht länger frisch, sondern immer frisch – Unter diesem Motto liefert Bernhard Perwein seine Milch an seine Kunden. Mit Erfolg. Als er sich vor fünf Jahren dafür entschied, das Startup „Mei Muich“ zu starten, begab er sich auf ungewohntes Terrain – Nämlich ganz nah an den Kunden. Das sieht heute so aus: Der junge Bauer aus Leogang verkauft die Milch seiner Kühe vor allem direkt an seine Endabnehmer. Die können per SMS, Anruf oder Homepage bestellen, was sie wann haben wollen. Das kleinste Gebinde ist die Ein-Liter-Flasche. Milchprodukte vom Zieferhof verkauft Perwein auch ab Hof, genauso wie Gemüse aus Omas Garten. Hübsch hergerichtete Ferienwohnungen im alten Bauernhof ziehen zusätzlich Urlaubsgäste an. Perwein über seine Ziele: „Meinen Arbeitsplatz am Hof haben, unser Milchgeld verbessern und eine direkte Verbindung zur regionalen Landwirtschaft herstellen.“ Diese Ziele hat der junge Mei Muich-Bauer erreicht und will mit seinem Beispiel andere Jungbauern zu Innovationen anspornen. Die Gelegenheit dazu bot Perwein kürzlich das „Innovationsforum“ der Salzburger Landwirtschaft im Heffterhof. Die Kundennähe ist nicht nur für Perwein ein Zukunftsgarant.
Auch der Salzburger Imker Daniel Pfeifenberger setzte auf dieses Pferd und hat damit einen Volltreffer gelandet. Aus seinem Hobby Imkern hat er die Bio-Imkerei Bienenlieb hochgezogen. Motto: Bienenzucht erlebbar machen.

Jetzt passt der Preis

Pfeifenberger schnappte den gesellschaftlichen Trend, Bienen zu schützen und zu züchten, auf und bietet Imkerkurse und Patenschaften für Bienenstöcke an. Für seinen Bio-Honig erhält er heute einen angemessenen Preis. Berührungsängste abbauen, lautet auch bei Conny und Hans Rohrmoser aus St. Johann das Credo. Die Landwirte holen Kinder in den Stall, genauer gesagt in die „Schule am Bauernhof“ und in die „Waldschule“. Denen gefällt es, sie buchen zahlreich, berichteten Rohrmosers beim Innovationsforum.
Passend, dass  unter 300 Gästen ganz viele Schüler von Landwirtschaftsschulen saßen – die Bauern von morgen. Ihnen gaben die insgesamt 17 Vortragenden aus ganz Österreich eine zentrale Botschaft mit: „Ihr müsst richtig kalkulieren.“ Die beste Idee helfe nichts, wenn das wirtschaftliche Konzept nicht passe, die Finanzen nicht gründlich durchdacht werden, so die Jungbauern. Ganz wichtig sei es auch Kontakte in dieser jungen „Gründerszene“ zu knüpfen. Darauf verwies Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP), Obmann des Salzburger Agrar Marketing, das das Innovationsforum veranstaltet hatte.

Dem Bauern über die Schulter schauen

Über die Schulter schauen – das lassen sich immer mehr Salzburger Landwirte. „Sie können nicht mit Großbauern in Deutschland oder Holland mithalten“, begründet Gerald Reisecker, Geschäftsführer des Salzburger Agrarmarkteing. Viele Bauern haben das erkannt und fragen sich „Was gibt meine Region, meine Wiese her und worauf will ich mich spezialisieren?“ Dabei, so Reisecker, binden immer mehr Bauern die Konsumenten ein. Patenschaften für Bienen (Salzburg), aber auch für Ochsen (Burgenland) und sogar für Bisons (OÖ) sind Beispiele dafür. Dabei zahlen die Paten einen Fixbetrag und bekommen dafür „ihren“ Honig und „ihr“ Fleisch. Und die Konsumenten leben dann auch mit. Reisecker schmunzelnd: „Bis zum Anruf,  wenn das Wetter schlecht ist.“

Von Sabine Tschalyj