Waynes Saunatanz macht glücklich

Von guten Schwitzern und schlechten Manieren in der Sauna –  und Gänsehaut bei 90 Grad. Saunameister Wayne Dobritzhofer im Jobgespräch.

Saunameister Wayne Dobritzhofer ist 23 Jahre alt, in Golling aufgewachsen und heizt seit drei Jahren als Saunameister den Besuchern der Therme Aqua Salza ein. Sein Vater stammt aus der Karibik – der Mann fällt auf. Ein Interview zwischen zwei Saunagängen.

Sie sind eine imposante Erscheinung, wenn Sie beim Wenik-Aufguss Birkenbüsche schwenkend durch die Sauna tanzen.
Der Wenik-Aufguss ist unser Markenzeichen. Dabei orientieren wir uns an den Gebräuchen in Sibirien und Russland. Wir weichen die Büsche – original aus Lettland – in Wasser ein, dabei lösen sich Öle und mit diesem Birkentee gießen wir  auf. Das wirkt schleimlösend auf die Atemwege, desinfiziert die Haut und entwässert. Ein guter Schwitzer verliert bei so einem Aufguss bis zu einem Liter Wasser.

Ihr Auftritt bleibt im Gedächtnis.
Ja, erst kommt die Musik. Dann halte ich meine Ansprache und stimme die Bewegung auf die Musik ab. Wenn es dann  ruhig wird, ist das ein sehr schönes Gefühl. Der Moment passt, alles andere ist egal, man ist im Hier und Jetzt.

Reden oder Schweigen – das ist ja in der Sauna eine  Glaubensfrage …
Meine Aufgabe ist es, positive Energie zu verbreiten, die Leute darauf hinzuführen, sich mit einem Lächeln voll entspannen zu wollen. Während des Aufgusses, während dieser acht bis zehn Minuten, hat in der Sauna  Ruhe zu sein. Allerdings gibt es  Showaufgüsse mit Musik und  Klatschen, aber das ist ein anderes Kapitel.

Auf wie viele Aufgüsse kommen Sie am Tag?
Auf neun, zehn, mit den Honig- und Salzeinreibungen.

Wie  halten Sie die Hitze aus?
Die Hitze ist nicht so sehr das Thema, aber die Bewegung in der Sauna belastet den Körper. Nach der dritten Runde hast du einfach Herzklopfen.  Andererseits war ich nicht ein Mal krank im letzten Jahr und mein hoher Blutdruck hat sich durch den Job reguliert. Manche sagen, dass sich durch das viele Saunieren generell die Körpertemperatur leicht erhöht und man dadurch eine bessere Abwehr entwickelt.

Wie viel trinken Sie an einem Arbeitstag?
Fünf, sechs Liter Wasser.

Warum tut man sich das an, immer mit schwitzenden und nackten Menschen zu arbeiten?
So ein Aufguss ist  ein intimer Moment, ganz egal, wer in der Sauna sitzt. Mich freut, dass ich in der Sauna aktiv dazu beitragen kann, die Menschen glücklich zu machen. Als Saunameister kannst du jemandem, der eine Schei…woche hinter sich hat, einen schönen Tag machen.

Darum die Berufswahl?
Nein, ich bin da reingerutscht. Ich habe meine eigene Lebensgeschichte, war mit Anfang 20  perspektivenlos und wusste nichts mit mir anzufangen. Die damalige Gastro-Chefin im Aqua Salza war die Mutter meines besten Freundes zu der Zeit und hat mir den Job vermittelt. Hier haben sie mich auf die Beine gestellt (lacht).

Sie sagen, in der Sauna kommen die merkwürdigsten Typen zusammen. Neben mir ist eben ein Mann mit Filzhut (!) gesessen …
Ja, das macht er, um seinen Kreislauf nicht zu überfordern. Der Filzhut isoliert den Kopf gut gegen die Hitze. Es ist schon so, dass die Nacktheit Kurioses anzieht. Da sinkt manche Hemmschwelle. Völlig Fremde schütten dir auf einmal ihr Herz aus. Alles in allem ist es  aber ein fröhlich bunter Haufen. Die einen vermummen sich scheu, für die anderen sind wir ein kleiner Garten Eden.

Passiert es auch, dass zwei sich zu nahe kommen?
In der Sauna nicht, aber in den Wasserbetten. Bei Kontrollgängen erlebt man einiges. Wenn ich Zeuge  werde, räuspere ich mich und sage so Sachen wie „Schön brav bleiben, gell?“ oder „Ah, ihr seid’s auch da…“.

Was sind „No-Gos“ in der Sauna?
Kein Handtuch oder ein zu kleines. In Badekleidung zu kommen. Andere anstarren. Während des Aufgusses reinplatzen.

Warum wachelt der Saunameister eigentlich?
Es ginge auch ohne, denn der heiße Dampf steigt auf und sinkt dann sowieso langsam wieder ab. Aber für meine Begriffe macht die Gänsehaut einfach glücklich. Und die erzeugt man durchs Wacheln. Der Körper denkt: Wind! Aha, jetzt kommt es kalt. Dabei ist der Dampf extrem heiß. Da werden gegensätzliche Signale gesetzt, was dann diesen Wow-Effekt erzeugt.

Welcher ist Ihr Lieblingsaufguss?
Jeder ist schön. Es gibt mittlerweile unzählige. Wir haben es kürzlich sogar mit einer Joghurtcreme samt Weintraubenkernen (als Peeling) versucht. Und wir haben neu im Programm den Kelten-Wenik-Aufguss. Da schalten wir einen mystischen Track zu, haben Fahnen mit LED-Lichtern im Einsatz und suchen uns einen Keltenkönig bzw. eine Keltenkönigin unter den Gästen. Die Person besetzt dann den Thron (in der Bergsauna ganz oben). Hält sie den Aufguss dort durch, bekommt sie anschließend einen Radler aufs Haus. Der Fantasie von uns Saunameistern sind bei den Aufgüssen so gut wie keine Grenzen gesetzt.