Neues Gesetz bringt private Tierschützer zu Fall: Katzenfreunde geben auf

Offiziell wollte die Politik den illegalen Hundewelpenhandel eindämmen, jetzt beißen sich Tierschützer daran die Zähne aus. Denn auf Online-Plattformen und in Zeitungen dürfen seit April nur noch Landwirte, Züchter oder Vermittler Tiere anbieten – mit entsprechenden Bewilligungen.

Zehn Kätzchen tummeln sich im Haus von Helga Strasser und ihrem Mann in Obertrum. Sie liegen am Kachelofen, auf der Couch. Sie warten auf neue Besitzer. Werden verwilderte Haus- und Bauernkatzen entdeckt, rücken die „Katzenfreunde Salzburg“ aus, um sie einzufangen. Seit zwölf Jahren macht Marion Wagner das – neben ihrem Vollzeitjob als Bürokraft. Bald hat es ein Ende, die „Katzenfreunde“ stellen ihre Tätigkeit ein.

Nicht freiwillig: Sie scheitern an der neuen Tierschutz-Gesetzesnovelle, die im April 2017 in Kraft trat. Offiziell wollte die Politik den illegalen Hundewelpenhandel eindämmen, jetzt beißen sich Tierschützer daran die Zähne aus. Denn auf Online-Plattformen und in Zeitungen dürfen nur noch Landwirte, Züchter oder Vermittler Tiere anbieten – mit entsprechenden Bewilligungen.Vermittler unterliegen strengen Auflagen. Da braucht es zum Beispiel Quarantäneräume. Bei Privatpersonen hapert es oft an den Räumlichkeiten. Auch bei den „Katzenfreunden“, die das einstige Kinderzimmer in eine Pflegestation umfunktioniert haben.

Helga Strasser (re.) und Marion Wagner mit zwei ihrer (blinden) Pflegekatzen in Obertrum. Künftig dürfen sie diese nicht mehr vermitteln. Das einstige Kinderzimmer entsprecht nicht den strengen Auflagen, welche in der neuen Tierschutz-Novelle gefordert werden. Bilder: Suchanek

Bei Willhaben.at ist die neue TSG-Novelle seit Monaten Aufreger Nr. 1

Bei der Online-Plattform Willhaben.at ist das neue Gesetz seit Monaten Aufreger Nr. 1 im Support, sagt Michael Gawanda: „Das Gesetz ist schwammig formuliert. Wir legen es streng aus, weil es eine Mittäterhaftung für Onlineportale gibt.“ Es werden nur Anzeigen freigeschalten, wo die Bewilligungen vorliegen. Praxistauglich sei das Gesetz nicht, so Gawanda, da gäbe es bessere Möglichkeiten. So habe man auf eigene Faust den illegalen Welpenhandel auf der Plattform vor zwei Jahren gestoppt – in Zusammenarbeit mit der Tierärztekammer. Hunde, die online gingen, brauchten ein Attest von einem österreichischen Tierarzt.

Die Arbeit der „Katzenfreunde“ geht über die Vermittlung weit hinaus. Bis zu 15 Streunerkatzen fing Wagner an Wochenenden ein. Die erwachsenen Tiere lässt sie kastrieren, setzt sie wieder aus. Sie sind zu scheu zum Vermitteln. Werden Junge entdeckt, muss sie rasch handeln. Sind sie älter als acht Wochen, werden sie nicht mehr zahm.

Helga Strasser sorgt für die Kätzchen bis zur Vermittlung, pflegt sie gesund. Denn viele sind krank, unter Streunern grassiert der Katzenschnupfen. Bleibt dieser unbehandelt, hat er Augenerkrankungen oder gar den Tod zur Folge. Einige der Pflegekatzen sind daher blind. Da konnte auch die Augenspezialistin in München nicht helfen. Bis Mitte 2018 haben die Katzenfreunde eine Übergangsbewilligung, dann hören sie auf.

Tierheim: Es werden mehr trächtige Katzen gebracht

Richtig ärgert Wagner, dass das neue Gesetz nicht nur Tierschützern Prügel zwischen die Beine wirft, sondern die Zuchtbestimmungen aufgeweicht hat: „Jede Freigängerkatze kann jetzt Zuchtkatze sein. Das wirft den Tierschutz um 15 Jahre zurück.“ Damit werde die im Vorjahr erwirkte Kastrationspflicht für verwilderte Bauernkatzen unterwandert. Wagner: „Wir gehen jetzt schon unter in Katzen. Der Markt ist gesättigt.“

Für Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe Lochen ist klar: „Das Gesetz macht den Tierschutz zahnlos, es greift an der falschen Stelle.“ Die Einwände der Tierschützer nach Begutachtung des Gesetzes wurden ignoriert.Dass das Gesetz „verpfuscht“ ist, sehen auch die Grünen so, die vorigen Donnerstag einen entsprechenden Initiativantrag im Parlament einreichten.

Im Tierheim Salzburg rufen derweil weiter Leute an, die behaupten, sie hätten Tiere aufgrund eines Notfalls abzugeben. Es sind dies viel mehr als früher, weiß Leiterin Gerda Ziesel. Und: „Es wurden ungewöhnlich viele trächtige Katzen abgegeben, 42 Junge kamen seit Frühling bei uns zur Welt.“ Erst in der Vorwoche brachte ihr die Polizei zwei Katzenmütter mit acht Jungen. Sie wurden in einem zugeklebten Karton bei Mülltonnen entdeckt.

Von Petra Suchanek