Schluss mit „schnell, schnell“ beim Essen

Warum wir das Genießen neu lernen müssen. Eine Gastrosophin weiß, wie es geht.

Uns ist der Genuss abhanden gekommen. Weil wir uns schon so an den Geschmack von industriell erzeugten Lebensmitteln gewöhnt haben. Davon ist Gastrosophin Rosemarie Haider überzeugt. Außerdem „essen wir dauernd so dahin“ und alles passiere immer „schnell, schnell“, so Haider.

Sehnsucht nach Omas Zwetschkenkompott

Doch Genuss beim Essen könne man lernen. Wie sehr wir guten Geschmack eigentlich schätzen, weiß jeder, der sich   nach Omas Zwetschkenkompott oder Krautfleckerl sehnt. Haider: „Wie an bestimmte Düfte erinnert man sich auch an einen guten  Geschmack, das geht ganz tief.“
Die leidenschaftliche Hobbyköchin weiß, wovon sie spricht. Sie wuchs auf einem Biobauernhof in Rohrbach auf, wo  von Butter und Speck bis zu Essig und Marmeladen alles selbst gemacht wird. Die gelernte Biobäuerin hat neben ihrer 25-jährigen Tätigkeit am Empfang eines Salzburger Unternehmens Ernährung nach Traditioneller Chinesischer Medizin gelernt und an der Uni Salzburg Gastrosophie studiert (Gastro = Magen, Sophie = Weisheit).

Die Natur ins Essen packen

Dabei lernt man salopp gesagt, wie wir essen, warum wir so oder so essen oder wie die Nahrungsmittelindustrie läuft. Obwohl selber „Kräuterhexe“, macht Haider gerade die Ausbildung in TEH-Traditioneller Europäischer Heilkunde samt Cannabis-Diplomarbeit.  In Form von Workshops in ihrer Küche und extern gibt sie ihr Gastrosophie-Kräuter-Bäuerinnen-Wissen hauptberuflich weiter. „Ich möchte die Leute wieder animieren zum Selberkochen“, beschreibt die Grödigerin ihr Ziel. Regional und saisonal soll es sein, und zwar die „ganz normale Küche“. Garniert mit Geschichten  von der Krauternte am  Bauernhof und Tipps aus der Gartenapotheke. So rät sie den Teilnehmern ihrer Kochabende, essbare Blüten auf Speisen zu geben, da diese viele Schutzstoffe für den Körper enthalten. Als Schutz vor Erkältungen empfehle sich frische oder in Schnaps  eingelegte Kapuzinerkresse – das „Antibiotikum des kleinen Mannes“.

Kochen führt zum Genuss

Aber was, wenn Kochen mehr Last als Lust ist, weil man gestresst zwischen Arbeit, Einkauf und Hausübungen der Kinder schnell was kochen muss? „Dann tut es schon gut, wenn man sich zumindest am Wochenende hinstellt, Musik einschaltet und Zeit fürs Kochen nimmt“, meint Rosemarie Haider. Kochen befreie, man komme herunter, Kochen – ein Therapeutikum. Und die gute Atmosphäre beim bewussten Kochen, die komme auch ins Gericht, betont die Gastrosophin. „Es schmeckt anders als sonst“, schwärmten regelmäßig Frauen und Männer, die mit ihr gemeinsam kochen und essen.

Das Auge isst mit

Es sieht auch besonders hübsch aus, was die Genusssuchenden hier auf die Teller bringen. So sind etwa Krautfleckerl mit winzigen Karottenstückchen aufgepeppt und mit leuchtend-grünen Basilikumstämmchen und einer strahlend-orangen Kapuzinerkresseblüte garniert. „Das Auge isst mit“, sagt Rosemarie Haider. Ihre Tipps: Beim Essen Servietten auflegen, Kerzen anzünden, Gerichte mit frischen Kräutern und Blüten servieren. Das schaffe ein Genuss-Ambiente.Fragen und Kontakt: www.gastrosophische-praxis.at, Tel.: 0664-1022105

Von Sabine Tschalyj