Z’sammpuffen: Im Autodrom flog das Gebiss

Schausteller! Trotz beliebter Volksfeste ist es ein richtig harter Job geblieben.

Renate Deisenhammer ist Seniorchefin einer Salzburger Schausteller-Dynastie. Die 75-Jährige sitzt beim Rupertikirtag immer noch an der Kasse.

Wie kamen Sie in die Schaustellerei?
Wir sind seit einigen Generationen Schausteller. Meine Großeltern hatten einen Kettenflieger in der Vorkriegszeit, meine Eltern haben mit einer Schießbude und einer Kinderschaukel begonnen. Ich bin die Älteste von vier Geschwistern, alle sind in der Schaustellerei. Nur ein Bruder ist  ausgestiegen, der ist Fernfahrer.

Wie sind Sie als Mädchen aufgewachsen?
Wir waren jede Woche woanders und ich bin jede Woche in eine andere Schule gegangen. Damals war das nicht so schwierig, weil man überall den gleichen Lehrstoff hatte. Heute ginge das nicht mehr. Meine Enkelkinder sind alle in eine Schule gegangen. Meine Tochter haben wir noch zwei Jahre mitgenommen. Da gab es eine Wanderschule, ein Büchel, wo alles eingetragen wurde. Später haben wir sie in die Andräschule getan, weil das besser war. Wir sind dann  die Kirtage rund um die Stadt abgefahren.

Sind Sie als Schausteller- Kind auch abfällig behandelt worden?
Am Anfang hat man schon die Nase gerümpft. Aber ich habe mich immer gut durchgekämpft, ich war schon als Kind sehr offen. Die Lehrer haben mich dann auch schon gekannt, wenn ich wiederkam. Ich habe heute noch Freundinnen aus der Schulzeit.

Sie stehen mit einem alten Autodrom beim Dom.
Dieses Autodrom wird nur einmal im Jahr am Rupertikirtag aufgestellt, weil das so aufwändig zum Aufbauen ist. Wir mussten das herrichten und abändern, wir haben die Neonröhren herunter getan und Lampen gemacht, wir haben die Ständer mit Holz verkleidet.

Was taugt den Leuten beim Autodrom-Fahren?
Dass sie zusammenpuffen können. Umso mehr sie zusammenpuffen, umso größer ist die Gaudi. Die Jungen mögen das.

Die Alten puffen nicht mehr gern zusammen?
Früher haben wir noch sehr viele ältere Leute gehabt, die gern gefahren sind. Da gab es auch lustige Geschichten. Eine Frau ist einmal ziemlich brutal einem hineingefahren, die hat recht gelacht dabei. Dann hat sie ihr Gebiss verloren, die Zähne sind nur so durchs Autodrom geflogen. Auch Perücken sind geflogen, wenn sie zusammengefahren sind und eine hatte eine Perücke auf, die nicht so gesessen ist. Heute gibt es das nicht mehr.

Weil die Prothesen fester sitzen.
Und weil diese Altersklasse nicht mehr fährt.

Wie hat  sich das Geschäft verändert?
Es ist sehr schwierig geworden, weil die Jungen so viele andere Sachen haben. Früher war das Autodrom, wenn wir in einem Ort waren, der Treffpunkt. Die  Jungen sind ein-, zweimal  gefahren, dann sind sie auf der Treppe gesessen, haben sich nett unterhalten, Musik gehört, dann sind sie wieder gefahren. Wir haben sehr darauf geachtet, dass die Jungen keinen Alkohol trinken. Das war schon sehr nett, da hat sich sehr viel verändert. Heute unterhalten sich die Jungen  weniger. Sie sitzen da und spielen mit dem Handy. Das ist schade.

Man braucht einen Kick und riesige Geräte.
Umso wilder, umso lieber ist es den Leuten. Das Wilde hat man auf der Dult, diese Fahrgeschäfte sind auch sehr kostspielig. Wir haben sowas nicht, weil ich das nicht mag.

Kann man von der Schaustellerei noch leben?
Es ist ein harter Job geworden. Die Plätze werden weniger, die Bürokratie nimmt so überhand, die Kontrollen sind viel strenger. Zum Glück haben wir einen Zeltverleih als zweites Standbein.

Was ist das Besondere am Rupertikirtag?
Er ist was Einzigartiges, das weckt  bei mir schöne Erinnerungen, das soll auch so bleiben. Wir haben immer sehr gutes Publikum am Rupertikirtag, man sieht sehr viele Menschen, die schön angezogen sind, und viele Familien kommen mit ihren Kindern.

Ihr Sohn macht weiter?
Ja, mein verstorbener Mann und ich haben ihm eine Woche Bedenkzeit gegeben. Er hat sich für die Schaustellerei entschieden. Es waren harte Jahre für ihn, weil mein Mann hat ihn nicht geschont. Er musste alles machen. Das kommt ihm heute zugute.

Sonja Wenger